Archive for November, 2009

Kulturgut vs. Prozentwertung

Valentina on Nov 28th 2009 12:04 am

Wollt’ ich ja schon länger mal drüber schreiben. Habs aber aus keine-Ahnung-welchen-Gründen nie geschafft. Jetzt gabs gleich einige Anstöße, warum ich das jetzt endlich tun will. Angefangen hat 4Players Jörg. Herr Luibl echauffierte sich über Embargos, die Spielefirmen teilweise verhängen. Zugegeben, bei neues haben wir das Problem kaum, da wir meist sowieso erst kurz vor und rund um den nationalen Release-Termin berichten. Die meisten Print-Magazine oder Onlineporatle begleiten die Entwicklung eines Spiels unter Umständen Jahre vor der Veröffentlichung. Also muss dann irgenwann (möglichst schnell) mal ein Test her, um den Leser noch etwas zu bieten. Ich frage mich ja manchmal, ob das so sein muss, aber das ist wieder ein neues Fass. Möglicherweise liegt es auch daran, dass Spiele sehr lange von der technologischen Seite her betrachtet wurden. Und immer noch werden. Jörg moniert vor allem, dass Embargos eine Art Artenschutz für Printmagazine darstellten. Und, das es quasi Praxis sei, gegen eine garantierte Positiv-Bewertung exklusiv ein Printmagazin mit frühen Testmustern zu beliefern. Eine Praxis, die ich persönlich nicht beurteilen kann, da bei uns so etwas meines Wissens noch nicht vorgekommen ist.

Das Spiele nach wie vor stark aus technologischer Sicht beurteilt werden, lässt sich durchaus aus dem Beitrag von Petra Fröhlich zu diesem Thema schließen. Ich muss zugeben, ich hatte innerlich gerade Luft geholt, zu einer Tirade über das Kulturgut Spiel, dass man meiner Meinung nach nicht mit Prozentwertungen abstempeln sollte. Zong, da hat sie mir eben diese Keule hinterrücks bereits über den Hinterkopf gehauen. Und zwar, indem sie irgend etwas ganz, ganz gemeines von Schlaumeiern geschrieben hat, die seit Jahrzehnten die Prozentwertungen mit der Kulturgut-Keule niederknüppeln wollen. Na gut, dann eben nicht. Trotzdem: Petras Gegenargument bestätigt meine These, dass Spiele immer noch (zu sehr) unter technologische Gesichtspunkten gesehen werden. Features, führt sie nämlich als Punkt an, warum man Spiele nicht mit den Bewertungen von Büchern oder Filmen vergleichen könne.

Nun ja. Ich habe im Sommer ein Interview mit Christopher Schmitz, dem Producer von Anno, geführt und er hat mir das ganz Ding mit den Prozenten aus Publishersicht erklärt. Er stand auf dem Standpunkt, Spiele seien ja nun nicht ganz billig: Ein PC-Spiel rund 50 Euro, ein Konsolenspiel 60 Euro. Viel Geld für Jugendliche. Und die Kunden wollten nun mal nicht die Katze im Sack kaufen. Die würden sich also eine Zeitschrift kaufen, eher sogar mehrere und sich die Bewertungen ansehen, sagt Christopher. Die Ubisoft-Marktforschung habe gezeigt, dass sich nur Spiele richtig gut verkaufen, die in Richtung 90% Bewertung gehen. Die Zeitschriften beschreiben ja recht genau, wie sie testen. Und man könnte einen Film theoretisch mit ähnlichen Kriterien abtesten, meinte Christopher. Für mich ist diese Publisher-Sicht (also pro Prozentwertung) durchaus nachvollziehbar. Ich mag sie trotzdem nicht.

Wie würde eigentlich so eine Bewertung eines Films aussehen, wo am Ende eine Prozentzahl steht? Denkbar wäre, statt Gegener-KI die Tiefe der Geschichte zu bewerten, wie intelligent sie erzählt ist, die Verständlichkeit, die Kameraführung oder die schauspielerische Leistung. Aber auch technologische Kriterien wie Einsatz von Effekten, besondere Stunts oder was weiß ich noch für Zeugs. Das ist Quark? Klar, aber dann sagt mir mal, warum es das bei Spielen nicht ist? Auch wenn ich zugeben muss, das Spiele mit Wertungen zwischen 50 oder 60 Prozent in der Regel tatsächlich schlechte Spiele sind. Darauf kann man sich ziemlich sicher verlassen, dazu muss man die halbseitige Begründung aber gar nicht mehr lesen. Ha! Deswegen lesen die Jugendlichen (angeblich) heutzutage nicht mehr so viel: Die sind ja auf Prozente konditioniert und müssen bloß auf die Prozentzahl am Ende gucken. Achtung an dieser Stelle: Übertreibung verdeutlicht…

OK, die Meisterin der Abschweifung hat wieder zugeschlagen, zurück zum Thema. Und zur richtigen Reihenfolge. Auf Jörg Luibl hat nämlich Boris Schneider-Johne geantwortet, den ich hier wie gewünscht “Ex-Chefredakteur von PC Player” nenne. Er findet, dass man sehr wohl als Hersteller sagen kann, wenn ihr eine schlechte Bewertung abgeben wollt, dann wartet damit bitte bis Datum X. Weil die Hersteller die Spiele sehr viel früher einem Verriss aussetzen, als sie es müssten. Das ist für sie natürlich ein Risiko. Denn bei Computer- und Videospielen entscheiden die Kunden an der Ladentheke über den Erfolg eines Spiels. Sprich, direkt und nahezu ausschließlich vom Kunden/Konsumenten/Spieler. Andere Unterhaltungsmedien, zum Beispiel TV- Produktionen oder Zeitungen, finanzieren sich zu einem Gutteil über Werbung. Also müssen sich die Entwickler bzw. Publisher ziemlich stark an den Vorlieben der gewünschten Kunden orientieren. Womit wir wieder bei den anscheinend von der Spiele-Industrie mehrheitlich goutierten Prozentwertungen wären.

Klar, es dauert (erheblich) länger, ein Spiel soweit zu spielen, dass man es wirklich fair beurteilen kann. Länger, als ein Film mit Überlänge. Noch mal zurück zu Petra Fröhlich:

Zu einer Dragon-Age-Bewertung im sensiblen Bereich zwischen 75 und 95 Punkten gehört Spielzeit, Erfahrung und Mut – erheblich mehr Mut jedenfalls als für die Aussage “MIR macht das Spiel Spaß”. Oder: “Für MICH ist das nix”.

Das erklärt aber doch nicht, warum am Ende 75 oder 95 Punkte stehen müssen? Es sei denn, die PC-Games versteht sich als Stiftung Warentest für Spiele. Ich habe schon sehr, sehr viel Geld in teure Spiele-Zeitschriften gesteckt. Jahrelang. Inzwischen lese ich nur noch die Gee, weil ich die anderen Spielezischriften langweilen. Oft wird dort auch noch auf mehreren Seiten stolz wie Hulle erklären, wie sie genau testen. Mit Kuchen- und Balkendiagrammen, Punkten und Grafiken. Zuletzt habe ich irgendein XBox360-Mag gekauft, weil es das einzige war, was bereits einen Test von Tony Hawks “Ride” drin hatte. Und ich musste eine lange Zugfahrt nach Berlin überstehen, um eben jenen Tony Hawk zu treffen. Die Bewertung in Zahlen oder Prozenten ist mir dafür herzlich egal. Ich will wissen, wie es sich spielt, ob es etwas besonderes bietet, etc pp. Das brauche ich in einem Fließtext. Sicher, eine Prozentwertung kann einen Text ergänzen. Muss er aber nicht.

Um das klarzustellen: Von mir aus darf jede Zeitschrift und jedes Portal Spiele mit Prozenten, Punkten, Eiern oder Strichlisten bewerten. Wenn die Kundschaft das so will, von mir aus und meiner Großmutter. Aber das kann nun nicht unumstößlich so sein. Das Gee-Magazin hat auch lange experimentiert. Erst wurde, glaube ich, von 1-10 Punkte bewertet, dann mit komischen Adjektiven (dufte, mufte, toll) und schlussendlich haben sie es ganz gelassen. Stattdessen macht Gee das ähnlich wie iTunes oder amazon: Kunden, die das gekauft haben, fanden auch das toll. Gee schreibt einfach, “für Fans von Spielen XY und XYZ”, und beschreibt in ein paar Zeilen, was ihnen gut gefällt und was sie nervt. Noch viel lieber lese ich aber ehrlich gesagt die Hintergrund-Berichte zu spielen. Nicht die Tests. Wenn ich einen Test lesen will, kaufe ich die Stiftung Warentest.

So. Fertig.

Dieser Text ist nicht ordentlich strukturiert, von keinem Chefredakteur gegen gelesen, redigiert und in keiner Redaktionsrunde diskutiert. Vielleicht wäre das besser gewesen. Vielleicht auch nicht. Hier bin ich der Chef ;-)

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Skaten mit Tony Hawk

Valentina on Nov 26th 2009 07:24 pm

Solche Termine sind natürlich das Salz in der Suppe: Tony Hawk auf Promo-Tour für sein neues Spiel “Ride”. Vor allem, weil Mr. Hawk ein ausgesprochen angenehmer und geduldiger Zeitgenosse ist. Den Bericht seht ihr am kommenden Sonntag bei neues. Hier schon mal ein paar Einblicke in meine Skate-Versuche.

Ich habe sichtlich Spaß, der Meister guckt etwas skeptisch:

Skaten mit Tony_1

Snowboarden habe ich auf einem Race-Board gelernt. Das hängt mir immer noch nach. Der vordere Fuß ist viel zu steil auf dem Board:

Skaten mit Tony_5

Tony korrigiert, Vorderfuß bitte etwas entenmäßiger eindrehen:

Skaten mit Tony_6

Immerhin bin ich nicht hingefallen, weder auf dem Bildschirm, noch auf den Suite-Teppich.
Skaten mit Tony_3

In dem Ding stecken sozusagen zwei iPhones. Heißt, zwei Beschleunigungssensoren. Jede Bewegung wird in einen Trick übersetzt. Mehrere Infrarot-Sensoren reagieren auf Hände (Grabs) buw. Füße (Push zum anschieben).

Skaten mit Tony_10

Zum Glück ist ein Board plus Spiel (Kostenpunkt übrigens 110 Euro) bereits in der Redaktion eingetrudelt, für einen ausführlicheren Test. Da werde ich mir wohl mal ein wenig Arbeit mit nach Hause nehmen…

Das komplette Interview mit Tony Hawk findet sich übrigens auf dem neues-Weblog.

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Blog-Empfehlungen

Valentina on Nov 9th 2009 11:53 pm

Wollte ich die ganze Zeit schon mal in Angriff nehmen: Einige meiner meistgelesenen Blogs weiter empfehlen. Wenn ich nämlich abends mal doch keine Lust zum Zocken habe oder nix in der Glotze kommt und für Buch im Bett isses noch zu früh, dann… gucke ich mindestens mal in meinen Feedreader und checke, ob sich was auf meinen Lieblingsblogs getan hat. Als da wären…

In der selbst definierten Sparte Netzkultur:
11k2 Hier gibts immer wieder kleine, feine Webfundstücke, Unterhaltsames zu MMOs, Hinweise auf schräge Technik-Gadgets oder Popkulturelles. Ich teile zwar des Fritzens Einstellung zu Raubkopierern nicht (sorry, zuviele Künstler & Musiker im Freundeskreis), aber man muss sich ja auch ab und an mal aufregen. Trainiert den Blutdruck… Twitter hier: Klick!

Fein säuberlich sortiert unter Games:
Endoflevelboss Endbosse sind harte Brocken, weiß ja jeder. Dieser hier teilt dementsprechend solide aus, jedenfalls verbal. Sanfte Gemüter könnten unter der Wortwahl dieses Herrn vielleicht ab und an zusammenzucken, da er sich in der Regel eher deftig äußert. Meistens findet er Spiele, die ich dufte finde, total scheiße. Das sagt er dann auch so. Twittert hier über alles, was sonst noch wichtig ist. Z.B. über Dinge, die man lieber nicht wissen will, wie seine letzte OP.

Ebenfalls filed unter Games:
GamePolitics Für gewöhnlich gut informierte Seite zu allen Themen, die irgendwie mit – Überraschung – Spielen und Politik zusammenhängen. Und zwar nicht nur, wie das Logo vermuten lässt, in den USA sondern weltweit. Wer wissen will, ob irgendein Staat auf der Welt ein seltsames (oder gar sinnvolles) Gesetz für den Bereich interaktive Unterhaltung verabschiedet hat, wird hier fündig.

Passt in meinem Feedreader in keine Kategorie so richtig, ist aber ungemein unterhaltsam:
USAerklärt Herr Stevenson ist mit einer gutaussehenden Germanin (Zitat) verheiratet und kann, der Name verrät es, qua Herkunft die USA erklären. Nebenbei hat er eine Vorliebe für blutige Spiele (wofür er klar im falschen Land lebt) und erklärt ausgesprochen unterhaltsam us-amerikanische Gepflogenheiten. Nicht nur seine Mutter findet dieses Blog das Beste: 2007 wurde “USA erklärt” zurecht Grimme Online prämiert. Lesenswert!

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ThinkGeek’s Kabelaffe

Valentina on Nov 9th 2009 09:59 pm

Kabelaffe, gefunden bei Thinkgeek.com

Kabeläffchen, gefunden bei Thinkgeek.com. Niedliche Art, die Kabel-Lianen unter euren Schreibtischen in den Griff zu kriegen!

ThinkGeek :: Cable Monkey Cable Organizer

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