Ich treffe Frank im Frankfurter Hotel Lindner. Das ist dieser dicke Turm mit dem goldenen Dach, direkt am Mainufer. Erstmal will er wissen, ob ich auch spiele, nur damit er weiß, ob wir „die gleiche Sprache sprechen“. Das tun wir definitiv. Mehr oder weniger zumindest, denn wir spielen auf verschiedenen Seiten, wie sich ganz am Ende herausstellt. Das Interview wird in einem kleinen Ausschnitt am kommenden Sendung bei neues zu sehen sein (3sat, 16:30 Uhr) und komplett als Web-Stream. Hier schon mal die Abschrift:

Während ihr an WoW entwickelt habt, war der Erfolg so sicher nicht abzusehen, bei der Arbeit an TBC dagegen schon. Hat das die Arbeit beeinflusst?
Absolut hat es das. 8 Millionen Abonnenten sind eine Menge Leute und wir wussten, das sie alle hohe Erwartungen an das erste Expansion-Pack hatten; es war wichtig für uns als Spieler und für die Community, das die Spielerfahrung, die Menge an Inhalten, die Anstrengung die wir reingesteckt haben die Erwartungen erfüllen und außerdem das die Menge von Leuten, die das Spiel spielen, die ja alle unterschiedliche Erwartungen haben und wir haben versucht, jedem das zu liefern, was er erwartet. Wenn Du dir die 5-Mann-Dungeons ansiehst, da setzen wir auf eine „Flügel-Philosophie“ beim Bau dieser Dungeons, das ist konträr zu dem, was wir in den meisten Dungeons im Original machten, einer der Gründe dafür ist, das die Spielinhalte so konsumierbarer werden, in mundgerechten Happen. So muss man einem Dungeon keine 5 Stunden mehr widmen, Du kannst jeden Flügel in einer Stunde schaffen. Solche Punkte wurden beachtet, mit einer Abonnentenzahl in dieser Größe.

Die Spieler haben ja auch viel gelernt, in zwei Jahren WoW. Gibt es noch mehr, dass ihr aufgrund des Feedbacks der Spieler geändert oder modifiziert habt?
Sicherlich, die Flügel-Dungeons habe ich erwähnt. Im Internet findet man viele Debatten über den Gegensatz von begeisterten Raid-Spielern und Gelegenheitsspielern, wir sehen nicht mal eine solche Aufspaltung, es geht eher um Leute, die in der Lage sein wollen, alle Inhalte des Spiels nutzen zu können, aber in mundgerechten Happen. Das war etwas, was wir auch gelernt haben. Genauso haben wir das PvP-Spiel einen Schritt weitergebracht, so dass jeder daran teilhaben kann.

Wird es Level 80 geben, ist einer der Fragen, die Spieler bereits umtreiben…
Unser Fokus ist im Augenblick die Unterstützung von Burning Crusade, wir haben es ja letzte Woche erst herausgebracht. Das ist aktuell der große Schwerpunkt. Wir arbeiten außerdem an diversen Inhalts-Updates, Patch 2.1 der den „Black Temple“ einschliesst, das sind die Dinge die kurzfristig anstehen. Und dann, ja, wir reden über die Features der nächsten Erweiterung, wir haben bereits klar gesagt, dass wir weiterhin Erweiterungen machen werden, solange die Community das Spiel unterstützt, wir reden über die Features und Level 80 steht zur Diskussion, das gibt es noch keinen endgültigen Beschluss, aber etwas, worüber wir reden.

Eines der „Probleme“ bei WoW ist oft die hohe Belastung der Server. Wie werden die Server getestet, ist es überhaupt möglich, vorab zu testen, wie die Server unter hoher Belastung von vielen Spielern laufen?
Wir tun verschiedene Dinge, um die Server zu testen. Praxistests sind schwierig zu leisten und zu simulieren, wie es ist, 8 Millionen Spieler weltweit zu haben. Wir machen verschiedenen Tests, wir haben öffentliche Test-Realms, wo wir jeden Patch vor dem Erscheinen testen, wir hatten die geschlossene Beta für Burning Crusade. Als wir ursprünglich das Spiel rausbrachten, hatten wir eine offene Beta und das Ziel war ein Test mit Spielern. Die Infrastruktur war also bereits da, als wir uns auf Burning Crusade vorbereiteten, wir haben ja schon vor dem Start von Burning Crusade die 8 Millionen-Grenze erreicht, daher hatten wir schon neue Hardware in den Datenzentren ein gesetzt, so hatten wir schon eine Vorstellung, was die Hardware leisten kann. Server Stabilität ist natürlich nach wie vor ein Thema und etwas, woran wir konstant arbeiten.

Du hast die 8 Millionen Spieler erwähnt, wohin wird das führen, was glaubst Du?
Keine Idee, 8 Millionen ist schon eine Menge, wir sind begeistert, so viele Spieler zu haben, wenn es ab hier nicht mehr weiter geht, ich glaube, wäre keiner von uns enttäuscht. Ich glaube nicht, dass es ist kritisch wäre, ab hier zu wachsen, aber sicherlich ist es möglich. Mit 8 Millionen vor dem Launch der Erweiterung, wir verkaufen das Original ja noch, die Spieler kaufen es nach wie vor und die Erweiterung wird sehr gut angenommen wer weiß, wir werden sehen. (lacht) Ich würde es natürlich gerne wachsen sehen.

Blizzard ist auch bekannt für Strategiespiele wie die Warcraft-Serie oder Starcraft, das in Korea noch viel gespielt wird, was kommt nach WoW und den geplanten Erweiterungen? Gibt es noch andere Spiele, die kommen?
Wir haben noch Pläne für die Zukunft, wir haben zwei Spiele in Entwicklung, die noch nicht angekündigt wurden, unglücklicherweise kann ich da noch keine Details verraten.

Nur aus Neugierde: Kommst Du noch selbst zum Spielen?
Ja, ich bin gestern Nacht gerade Level 61 geworden. Wir haben ein bisschen Zeit totgeschlagen, hier im Hotel. Level 61 Troll-Schurke…

Das wars, unsere Zeit ist beinahe abgelaufen. Während der Kameramann noch ein paar sogenannte Schnittbilder dreht, nutze ich die Gelegenheit zum weiterplaudern. Einiges davon Off-Topic, die gestrenge Pressedame von Blizzard Europe mag nicht alles im TV sehen. Was man aber definitiv erzählen kann: Frank hat ein Problem mit Mages. Die sind ihm im Raid schlicht zu anstrengend. Schmunzelnd und augenrollend meint er: „Die machen soviel Schaden, dass man als Schurke jedes Mal die Aggro verliert und den Mobs hinterher rennt. Das bringt mich zur Verzweiflung, ich sage ihnen jedes Mal, paßt auf, ich habe keine Lust, immer hinter denen herzujagen.“
Das kommt mir bekannt vor, wenn ich meinen Twink, die Magierin Nusspli auspacke, hat das nach Meinung der Heiler und Nahkämpfer auch immer viel mit Amoklauf zu tun 😉

Blizzards Frank Pearce im Interview
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