Seit 9 Tagen bin ich nun im Besitz eines iPads – für die einen das Sinnbild eines zensierten Systems, die anderen möchten es nicht mehr missen. Schon mal vorausgeschickt: Ich gehöre eher zu letzteren, auch wenn es – natürlich – Dinge gibt, die ich nicht ganz so großartig finde. Hier, bitte sehr, mein Ersteindruck und einige Empfehlungen in Sachen „Must-Download-Apps“…

Erste „Must-download-App“ ist iBooks. Die kostenlose App ist quasi die Basis für eine der großen Stärken des iPad ist: eBooks lesen. Mit iBooks habt ihr ein „Bücherregal“ auf dem iPad, dass einerseits eure Bibliothek an eBooks anzeigt, zum anderen der direkte Weg zum eBook-Shop ist. Im Prinzip iTunes für Bücher. Gratis dazu gibts gleich einen Klassiker, Winni Puh (in englisch). Ich habe mir dazu eine Kurzgeschichte von Stephen King gekauft: Colorado Kid. eBooks lesen sich auf dem iPad so gut, dass ich mich tatsächlich beim Versuch des Umblätterns oben rechts erwischt habe. Fürs Protokoll: Ja, richtige Bücher sind nach wie vor toll, Papier zwischen den Finger, etc pp. Keine Sorge: Ich kann mir (derzeit) nicht vorstellen, nur noch auf dem iPad Bücher zu lesen. Auf dieses Gerät würde ich Lektüre für unterwegs packen, für lange Flüge oder Zugfahrten. Sachen, die ich sonst als Taschenbuch kaufen würde, einmal lese und dann verschenke oder dem Flohmarkt zuführe.

Das zweite, was ich, nach kurzem Zögern wegen des Preises, aufs iPad gezogen habe, ist das Spiel Plants vs. Zombies. Ich habe schon oft mit einer gewissen Verwirrung zur Kenntnis genommen, das dieses Spiel fürs iPhone immer weit oben in den Appstore-Charts steht. Auf den ersten Blick seltsam: Da gehts nämlich nur darum, mit Pflanzen das eigene Grundstück gegen Zombies zu verteidigen, die sonst einfallen und dein Gehirn essen. Was Zombies eben so machen… Dann kam ich Freitag, den 28. Mai in den Mediamarkt Paderborn, weil dieser Herr hier unbedingt schnell noch ein iPad erwerben wollte. Und da spielte gerade die gesamte Belegschaft Plants vs. Zombie an allen ausgestellten Test-iPads. Nach wenigen Minuten war mir klar: Das muss ich haben. Da wäre der ungemein schräge Humor, der schon im Hilfe-Menü losgeht. Die besteht aus nicht mehr als einem krakeligen Zettel mit folgenden Zeilen: „Wenn die Zombies auftauchen, lehn‘ dich zurück und tue nichts. Du gewinnst das Spiel, wenn die Zombies in dein Haus gelangen“. Unterschrift: Diese Hilfe wird Dir präsentiert von den Zombies.

Eure Aufgabe: Ihr müsst euren Vorgarten und die Hintertür vor angreifenden Zombiewellen verteidigen, indem ihr die richtigen Pflanzen anbaut. Denn euer Waffenarsenal besteht aus verschiedenerlei wehrhaftem Grünzeug: Kartoffelminen, Kirsch- und Pilzbomben, Erbsenkanonen und andere illustre Gewächse. Das alles gibts aber nicht einfach so: Pflanzen brauchen Sonne und ohne die kleinen Sonnen, die vom Himmel fallen und per Fingertip eingesammelt werden müssen, ist nix zu machen. Die Sonnen bringen Punkte, die für die Pflanzen benötigt werden. Je effektiver die Pflanzen-Waffe, desto mehr Punkte sind nötig. Ein 1a-Ballerspiel eben 😉 Zusätzliche Energie generieren Sonnenblumen, die ihr in euren Verteidungslinien zwischen die wehrhaften Pflanzen setzen müsst. Und ohne genug Energie geht nichts, zumal auch noch Nacht-Level dazukommen und des nächtens – logo – gibts keine Sonne am Himmel. Aber auch bei den Tag-Leveln ist ohne Hilfe der Sonnenblumen nichts auszurichten.
Es braucht die richtige Balance aus Energie generieren und der richtige Verteidigung. Sowas nennt man „Tower Defense“-Spiel, um mal einen Fachbegriff einzustreuen. Nebenbei besitzt das Spiel eine erstaunliche Anzahl an Soundeffekten. Jede Pflanze blubbert und knarzt anders und wenn die Erbsenkanone auf die Zombies feuert, die ein Gartentörchen als Schild vor sich her tragen, klingt es naehzu perfekt passend – beinahe möchte ich „realistisch“ sagen. Die angreifenden Zombies werden von Level zu Level fieser. Neben den Standard-Zombies, die nicht viel aushalten, kommen bald welche mit orangen Verkehrs-Hütchen auf dem Kopf, die sehr viel mehr Treffer einstecken können. Oder welche auf Eis-Maschinen, die euren grünen Garten in eine Eiswüste verwandeln und ziemlich flott unterwegs sind. Ab und an murmelt einer der Angreifer „Braiiiins“. Gelangt einer der Untoten durch eure Verteidigungslinie, steht als letzte Rettung noch ein Rasenmäher dort, der die gesamte Reihe Zombies platt mäht. Das wars aber dann: Könnt ihr die Lücke nicht mit genügend Pflanzen-Waffen schließen, gelangt der erste ungebetene Gast ins Haus und… das Level endet mit dem Vermerk, die Zombies haben soeben dein Gehirn gefressen. Plants vs Zombies mag auf den ersten Blick wie eines von vielen, simpel gestickten Casual-Games wirken. Weit gefehlt: Hier steckt deutlich sichtbar einiges an Entwicklungsarbeit drin: Soundeffekte, Musik, Gameplay, Anspruch. Sowas hackt man nicht in ein paar Nächten zusammen. Lange Rede, gar kein Sinn: Plants vs. Zombies macht süchtig und Riesen-Spaß!

Print-Apps gibts jede Menge, aber noch recht wenige deutsche. Da ist es vor allem Springer, die bereits Apps anbieten. Kein Wunder, Springers Herr Döpfner hat sich ja auch recht weit vorgewagt, in seiner Anbetung des iPad. Die Welt-App ist auch recht gut gelungen, wenn auch nicht besonders multimedial. Da kann die Wired mehr punkten, die mehr Videos einbindet. Übrigens entstand diese App wohl in Zusammenarbeit mit Adobe – ganz ohne Flash. Leider wirft einen die Wired mit Werbung regelrecht zu. Jede zweite Seite ist Werbung und das ist etwas nervig. Die Spiegel-App habe ich sofort wieder runter geworfen, weil sie letztlich nur dazu da ist, das Heft zu kaufen. Das brauche ich nicht, ich kann auch via Safari Spiegel Online lesen, das reicht mir völlig. Es reicht, wenn eine Springer-Publikation auf dem iPad läuft. Da kommen aber sicher demnächst noch diverse Apps deutscher Verlage nach.

Als Twitter-Client benutze ich TweetTime. Auf iPhone und dem Mac habe ich bisher Tweetdeck benutzt, wovon es auch eine iPad-Version gibt. Die funktioniert aber nicht so richtig bei mir: Meine Timeline wird nicht korrekt aktualisiert, warum auch immer.

Außerdem habe ich gleich die drahtlose Tastatur plus die Textverarbeitung Pages erworben, weil ich dachte, ich könnte auch längere Texte alternativ auf dem iPad schreiben. Das erweist sich aber als nicht so praktikabel. Das liegt vor allem daran, dass ich in der Redaktion am Windowsrechner sitze. Zwar zeigt Pages meine in Word geschriebene Texte einigermaßen korrekt an, aber durch die doch eingeschränkte Funktionalität von Pages auf dem iPad ist das nicht so richtig komfortabel. Shortcuts wie Apfel + A (alles markieren) oder die Tab-Taste (mit der man automatisch in die nächste Tabellenzeile springt) sind nicht nutzbar. Ich arbeite viel mit Tabellen, weil sowohl die Treatments für Beiträge als auch die Sprechertexte so aufgebaut sind. Für beides ist es zweckmäßig, zwei Spalten nebeneinander zu haben. Siehe Beispiel, wie das aussieht:

Was anderes dürfte es sein, wenn man direkt in Pages schreibt und das auf dem iPad weiter bearbeitet. Da fehlen mir zur Zeit die Erfahrungswerte. Auch für lange Blogartikel, wo man Bilder einfügt, Links raussucht, etc, ist die Arbeit am Macbook nach wie vor komfortabler.

Bei all den Superlativen und Einsatzmöglichkeiten, die Steve Jobs in seiner Keynote aufzählte, ist vielleicht eines untergegangen: das iPad wurde nie als Laptop/Rechner-Ersatz angepriesen. Insofern sind Abstriche zu machen. Das iPad ist kein Standalone-Rechner: Sonst müsste man es ja nicht – wie das iPhone – via iTunes befüllen. Es ist eine Unterhaltungsmaschine zum mitnehmen, perfekt zum spielen, surfen, Mails schreiben, eBooks lesen und Filme gucken. Weitere Einsatzmöglichkeiten nicht ausgeschlossen, Wer weiss, was sich App-Entwickler noch alles einfallen lassen. Und außerdem, seufz, kann man sicher davon ausgehen, dass in nicht allzuferner Zeit, weiterentwickelte iPads auf den Markt kommen dürften. Wie immer, wenn man mal Early Adopter war.

Braiiins! Das iPad & Ich
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2 Gedanken zu „Braiiins! Das iPad & Ich

  • Juni 6, 2010 um 1:04 pm
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    Übersetzungsvorschlag für die Pilze in P vs. Z: Killerpilze und Psychopilze 🙂

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  • Juni 6, 2010 um 6:10 pm
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    Ich habs jetzt für den iMac auch noch gekauft und zwar auf Deutsch 😉 Aber die englischen Bezeichnungen und Rechtschreibfehler der Zombies sind im Original lustiger!

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Und jetzt ihr!