IBM Machine

Es ist mal wieder Zeit für ein neues Kapitel in meinem digitalen Leben und seinen wundersamen, erschreckenden Begebenheiten. Das Abenteuer spielt sich an meiner Arbeitsstelle ab. Nicht, dass tägliche Arbeit nicht an sich schon ein kleines Abenteuer wäre, es gibt immer noch einige besonders eindrückliche Momente. Neulich an unserem DVD-Kopierer…

Früher hat man beim Fernsehen Bänder kopiert. Das war keineswegs einfach, weil man eine Kassette nicht einfach irgendwo einlegen konnte. Man brauchte einen Schnittplatz, eine Bandmaschine und einen Menschen, der beides bedienen konnte. In den digitalen Zeiten von heute kann man easy going eine DVD kopieren. Muss man sehr häufig mal tun um z.B. einen Mitschnitt zu verschicken. Ich benötigte gestern zwei Kopien meiner Doku „Die Pixelmacher“. Wenn man sowas verschickt, dann doch eher ungern mit krakeliger Beschriftung, sondern hübsch bedruckt. Dafür haben wir ein ganz duftes Gerät, dass brennen UND bedrucken kann. Eigentlich prima: Das Ding steht neben dem normalen Kopierer und theoretisch muss man nur den Rohling reinlegen, Kopienanzahl wählen, das Etikett anlegen und dann klick und ferdisch. Nix da! Ich hatte früher schon nicht allzu traumhafte Erfahrungen mit der Kiste gemacht – Stichwort Usability…

Vorsichtshalber habe ich daher eine Kollegin gebeten, die daran häufiger kopiert, mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Auch aus Sicherheitsgründen: Geduld ist nicht direkt mein zweiter Vorname und ich wollte nicht riskieren, auf dem offenen Flur laut zu brüllen, lästerlich zu fluchen, etwas einzutreten oder anderweitig unangenehm aufzufallen. Also: Programmstart, Assistent aufrufen, Etikett anlegen, 2 x kopieren bitten, zack zack. Soweit, so gut. Nun muss man aber schnell sein. Der Brenner öffnet sich, wenn er das für richtig hält und dann muss man ganz, ganz fix das Original einlegen, sonst geht die Klappe leer zu und das Programm rotiert minutenlang um sich selbst, bevor es dann einfach gar nichts mehr macht.
Gleichzeitig muss man in das Fach für den Rohling noch mehrere Dummys unterschieben, weil sonst der Druckerarm durchdreht. Dieses Greifdings holt sich den Rohling aus einem Spindelschacht, der eigentlich für geschätzt hundert DVD-Rohlinge gedacht ist. Da liegen aber selten hundert drin, sondern meist nur so 1-3. Das macht das Gerät aber völlig wuschig und es fährt wild auf und ab oder wirft mit dem Rohling um sich. Muss eine Art Maschinen-Schnappatmung sein.

Diesmal scheint alles gut zu gehen, wir täuschen die Kiste anscheinden erfolgreich mit Dummys. Die erste Kopie ist durch, Greifdings hat die erste Kopie zum bedrucken eingeworfen und Kopie Nr. 2 ist in Arbeit. An diesem Punkt entlasse ich die Kollegin: Leeft ja allet. Der Maschine beim Kopieren zugucken ist eher öde, also lese ich in der Zeit auf dem Handy Twitter-Nachrichten, spiele ein wenig Mahjong, checke Mails… und falle irgendwann in eine Art Dämmerschlaf. Irgendetwas weckt mich, vermutlich das dumpfe Gefühl, das was nicht stimmt. Das Programm zeigt die zweite Kopie bei 50% an. Seit ca. 10 Minuten. Ich gebe ihm noch weiter 5 Minuten bevor ich die Kollegin alarmiere: Ob das noch normal sei. „Nunjaaa, sagt sie gedehnt, manche Leute sagen, irgendwann macht ers dann… “ Was?? Also gut, die Hoffnung stirb zuletzt. Faust in der Tasche ballen, oder noch besser: Essen gehen. Wenn ich aus der Kantine komme bin ich bestimmt gaaaz ruhig und dann wird alles gut.

Eine gute halbe Stunde später an der Kopiermaschine: Der sogenannte Fortschrittsbalken steht unverändert bei 50%… Jetzt wäre es an der Zeit zum rumschreien! Die Kiste könnte ja auch einfach eine Fehlermeldung ausgeben. Bitte! Gib‘ mir ein Fenster mit Fehlermeldung, Du bist doch Windows! Aber nein, ich werde einfach ignoriert. Also gut, ich entschließe mich zu Gewalt und reiße einfach alle Laufwerke auf, in denen meine beiden Rohlinge rumdümpeln. Das passiert nämlich nichts mehr, aber abbrechen, nachfragen oder rausrücken? Nee, auf keinen Fall! Wo kämen wir da hin, viel zu nutzerfreundlich, das.

Immerhin stelle ich fest, der erste Brand hat geklappt. Und der Drucker hat keine Farbe mehr… Der Titel ist so ein bisschen WordArt-mäßig verblasst, steht aber immerhin drauf. Vermutlich ist das auch der Grund für die Arbeitsverweigerung. Aber man kann ja mal WAS MELDEN! Eine Stunde hat mich der Quatsch gekostet.

Aber Achtung, jetzt kommt die Kracher-Pointe: Das Programm heißt „QuickDisc„… QuickDisc!

Und jetzt entschuldigt mich, ich muss kurz was an die Wand schmeißen.

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Das digitale Leben: Flächenbrand…

3 Gedanken zu „Das digitale Leben: Flächenbrand…

  • Dezember 1, 2009 um 10:56 pm
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    Gute Idee… vielleicht sollte ich auch so eine Art Wahnsinns-Technik oder auch wahnsinnige Technik aufmachen. Da gäbe es einiges aus der Grafik zu berichten…

    Letztens… eine Kopie eines Sendebandes kam vom SWR zur Bearbeitung. Ich das Band wie sonst auch in die Beta zur Ansicht reingeschoben, aber außer Tonrauschen und Schwarz nichts zu hören und zu sehen. Ok… naja… passiert ja auch mal den besten Grafiker mal, das er da was falsch gesteckt, geschaltet oder sonst wie was hat. Also alles gescheckt. Nada. Dann Kollegen gefragt, ob mal wieder ein allen andern , aber mir unbekannte Probleme vorliegen. Ok, auch nichts. Hm, die von SWR werden mir doch wohl kein leere Band geschickt haben ? Dann doch erst mal ein grafikeigenes Band einlegen, um sich abzusichern… man will ja auch nicht in Baden-Baden anrufen und dann stellt sich raus, das Band war OK, aber der Grafiker hat es nicht geschafft, eine Beta abzuspielen. So abgesichert dann doch mal in Baden-Baden angerufen. Ne, da MUSS was drauf sein auf dem Band! Das kann ja garnicht sein… Und als ich dann so nebenher erwähne, daß ich echt da aus diesem GRÜNEN Beta-Band nichts rausholen kann, fällt den Herr vom SWR dann auch auf, daß dieser Beitrag in einem nicht DigiBeta konformen, aber intern im SWR verwendeten anderen Kodex rausgespielt wurde… Hunderte blaue Betas hatte ich bisher in den Händen, das war nun meine erste grüne Beta! Aber diese werde ich nie vergessen… 🙂

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  • Dezember 2, 2009 um 10:56 am
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    Das ihr da in der Grafik Spaß habt, glaub‘ ich gern! Inzwischen haben wir im Schnitt ja unfassbar viele unterschiedliche Materialien zu schneiden: von irgendwelchen Presseservern runter geladene Files sind eine ganz besondere Freude. Meist ist das irgendein Containerformat und wenns mans ausgepackt hat stellt man fest: Bildernazhal stimmt nicht, es ruckelt, Ton asynchron, etc. Ein Traum!

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  • November 20, 2012 um 5:23 pm
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    Das ist irgendwie mal wieder typisch. Die Usability wird meist vernachlässigt und die Kunden sollen diese Programme, Geräte, usw. dann austesten. Deswegen gibt es bei vielen neuen technischen Geräten auch kleine und größere Kinderkrankheiten, mit denen der Kunde dann meist erstmal leben und sich rumschlagen muss. Ich finde, es sollte mehr Wert auf Usability gelegt werden. Eine Idee wäre z. B. mehr Geräte an Testkunden zu verschicken, die dies testen und die Fehler an das Unternehmen weiterleiten können.

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Und jetzt ihr!