Goldene Podcast 3

Ich habe ja hier schon mal Lieblings-Podcasts vorgestellt und natürlich tauchten da auch ein paar Punkte auf, die mir bei Podcasts wichtig sind. Weil nun gerade der geschätzte Memo eine neue Unternehmung dieser Art gestartet hat, kam ich auf die Idee, da mal genauer drauf einzugehen. Disclaimer: Es handelt sich dabei um die subjektive Perspektive von mir als Hörer. Ich selbst habe dazu vor Jahren mal den ein oder anderen Versuch gestartet, aber nie ernsthaft ein regelmäßiges Thema gestartet. Was ich inzwischen selbst bedauere, aber aktuell ist die Podcast-Dichte so groß und es gibt so viele gute, das ich das Gefühl habe, es braucht nicht noch einen. Gerade zu den Themen Popkultur und Videospiele, die mich interessieren, ist das Netz voll. WENN, dann muss das schon ein Thema sein, was es nicht schon tausendfach gibt, oder ein Thema mit neuem Twist, das einen Mehrwert bietet.

Memo & Max haben das mit Kinochiwa geschafft, weil sie sich ganz zufällig an das halten, was ich als „die goldene Podcast 3“ bezeichne. Hinter dieser schwurbeligen Bezeichnung verbergen sich die wirklich minimalsten Basics, die man beachten sollte. Das Bild zu diesem Post ist meine handschriftliche Version – hier nun etwas ausführlicher erläutert:

NUMMER EINS: Länge!
Wenn ein Podcast nur ein Thema behandelt, dann muss der nicht 18 Stunden lang sein. Auch wenn das Thema noch so viele schöne Aspekte hat. 30 Minuten reichen – das ist aber dann auch eine Minimum-Zeit, um einem Thema Tiefe zu geben. 60 Minuten dürfen es bei ausreichender Aspekte-Fülle gerne auch sein, aber alles darüber wird kritisch. Ich höre dann stellenweise nicht mehr aufmerksam zu, denn die wenigsten Podcast-Macher können die Spannung so lange hochhalten. Je länger geredet wird, desto eher schweift man ab und produziert unfreiwillig Längen. Das passiert aber schnell, vor allem, wenn mehr als drei Leute zusammen sitzen und reden. Als Hörer ist es unterhaltsamer, einem Dialog zuzuhören, als einem Monolog. wenn aber 4 bis 5 Menschen reden, bekommt das ganze schnell was von Stammtischgespräch. Collinas Erben, Sanft & Sorgfältig, Stay Forever: Alles maximal zwei Menschen und das funktioniert sehr gut. Ich will da kein Dogma draus machen, denn es gibt auch Beispiele, wo auch 3-4 Leute hervorragend Podcasten. Alles eine Frage der Professionalität.

NUMMER ZWEI: Struktur!
Mein Liebligs-Filmpodcast stammt von der BBC, wird von zwei Menschen moderiert, ist mit etwa anderthalb Stunden etwas länger, als ich als ideal erachten würde. Dahinter stecken aber Profis. Die Sendungen sind schon aufgrund des Nachrichten-Umfelds sauber durchstrukturiert und geplant. Trotzdem schaffen es die beiden Moderatoren, kein langweilig poliertes Format abzuliefern. Ihre Sendung erweitern sie für den Podcast um ausführliches Eingehen auf Zuschauer-Mails und das Verlesen von (guten) Rezensionen. Grundsätzlich tut es allen Podcasts gut, wenn es eine erkennbare Struktur, eine erkennbare Vorbereitung gibt und jemand die Talk-Runde moderiert. Auch wenn es lediglich zwei Menschen sind, sollte einer die Zügel in der Hand halten und gelegentlich sanft wieder zum Thema leiten. Was nicht immer so einfach ist. Das erlebe ich bei mir auch oft, wenn ich Gast in Podcasts bin. Ich rede gerne und viel und auf die richtigen Stichworte hin kann ich jeden ins Koma reden. Dann sollte jemand da sein, der elegant (!) reingrätscht, zusammenfasst, das Gespräch auf Linie bringt und das Thema weitertreibt. Quasi eine Cut-Scene innerhalb des Gameplays 😉 Das bedeutet aber auch, dass man sich zurücknehmen können muss, also nicht AUCH NOCH die 200. Anekdote zum 30. Aspekt des Schwerpunktthemas beizutragen. Es ist auch angenehm, wenn man Zitate hübsch einbindet, so wie der WASD-Podcast. Christian Schiffer redet mit 2 Gästen über das aktuelle Schwerpunktthema der WASD und hat Zitate mit einem kurzen Jingle eingebunden.


NUMMER DREI: Entertain me!

Egal ob es um japanisches Kino, Bundesliga-Fußball oder Popkultur-Phänomene geht: Macht klar, WARUM euer Thema wichtig/besonders/spannend/faszinierend/verstörend/bedeutsam ist. Attribute & Beschreibungen, Baby! Das darf dann gerne blumig, pathetisch oder poetisch sein. Oder zugespitzt, provokant und maßlos, wenn ihr unbedingt viele Kommentare oder gar einen Shitstorm provozieren wollt. Ich persönlich halte meine Beiträge eher reflektiert. Selbst, wenn ich mich aufrege, versuche ich, die die andere Position (wenigstens halbwegs) zu verstehen. Das ist nicht ideal, wenn ihr ganz dringend Aufmerksamkeit wollt, aber ich bin eigentlich nicht so eine Krawallschachtel 😉
Kinochiwa widmet sich einem Nischenthema, mit Emotion, Haltung und Wissen. Das gleiche gilt für den bereits erwähnten Fußball-Podcast Collinas Erben. So gegensätzlich diese Themen sind, sie erfüllen absolut meine Unterhaltungserwartung: Sie nehmen mich für ihre Themen und ihre Perspektive ein. Und das idealerweise sogar bei einem Thema, in dem ich nicht zu Hause bin und an dem ich bislang eher marginales Interesse hatte: Beispiel Kinochiwa.

So, das war’s. Jetzt braucht ihr nur noch ein Thema. Ein paar Podcast-Teschnigg-Tipps gibt es hier.

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