Der Tag vor der E3 ist traditionell der Press Briefing Tag. Und da wird in der Spielebranche ja gerne ganz gross aufgefahren. Hollywood ist der Ort des Geschehens, sowohl fuer Microsoft als auch Nintendo. Big N machte den Anfang.

7:45 Uhr: Ich quaele mich im Taxi durch die Rush Hour, immer den Blick auf das unaufhaltsam kletternde Taxameter.

8:30, Kodak Theatre, Hollywood. Nintendo lud zur Pressekoferenz. Menschentrauben vor dem Eingang, lange Schlangen an den Check-In Countern fuer die Journalisten aus unterschiedlichen Laendern. Fuer die grossen Pressekonferenzen muss man naemlich einchecken. Da ist nix mit hinkommen, Visitenkarte auf den Tresen schmeissen und hinsetzen. Bei den Menschenmassen waere das Chaos programmiert.

Kameramann Thomas und Assistent Andy bekommen ein Schildchen um den Hals und eine Eskorte zum Dreh-Ort. Auf einer Empore koennen sich Kamerateams an den Ton stoepseln und bekommen ein gutes Bild auf die Buehne. Wir sind nicht die einzigen, wie man auf den Bildern zum Tagebuch sehen kann.

Der Saal sieht aus, als wuerde hier die Nasa neue Raumfahrtprogramme zum Mars ankuendigen oder das das Weisse Haus Bushs Ruecktritt verkuenden. Unzaehlige Kameras werden justiert, Lichter flammen auf und jungee, dynamische Reporter machen schnell noch einen Aufsager vor der Kamera.
10:30 gehts los. Licht aus, buntes Licht an. Auftritt Shigeru Miyamoto, Nintendo-Legende und Vater der beruehmtesten Nintendo Knuddel-Charaktere. Miyamoto traegt einen Frack und dirigiert via Controller ein Orchester auf Wii. Sehr gelungen und irgendwie echt Miyamoto. Der Mann ist auch schon mit einem Holzschwert und Schild als Link verkleidet auf die Buehne gehuepft.

Die grossen Konkurrenten Sony und Microsoft klotzen bekanntlich mit Hightech-Konsolen und Mega-Grafik. Nintendo versucht eine andere Strategie. Das Rad neu zu erfinden ist nicht drin und das weiss man im Hause N. Darauf wies schon der bereits seit einigen Monaten bekannte untypische Controller hin. Den kann man mit einer Hand bedienen, wie eine Fernbedienung. An eine solche erinnert er auch deutlich. Das soll spielen einfach machen und so auch Menschen an die Konsole locken, die Spielen entweder als Kinderkram zur Seite gelegt oder ueberhaupt noch nie gespielt haben.

Wii Sports ist so ein Titel, der schnellen Einstieg bietet. Tennis, Golf und Baseball kann man hier spielen. Einfach den Controller schnappen und einen Ball ueber das Netz dreschen. Der Controller wird zum Tenni-, Baseball- oder Golfschlaeger und wird auch so bewegt. Ohne erstmal den Controller zu studieren und sich erklaeren zu lassen, welche Knoepfe gedrueckt werden muessen. Denn der von Nintendo „Wii Remote“ genannte Controller besitzt einen Sensor, der die Bewegungen an die Konsole uebertraegt.

Je nach Spiel wird der Controller zum Schwert, Bogen oder eben zu den genannten Sportgeraeten. Da sind natuerlich noch jede Menge Ideen drin, wie und fuer welche Spiele man so ein Steuergeraet noch einsetzen kann.

27 Titel kann man ab Mittwoch auf der Messe selbst ausprobieren. Ein heissersehnter Titel soll zum Launch der Konsole zu haben sein. Naemlich der neue Zelda-Titel „Twilight Princess“.

Ueber Geld wurde uebrigens nicht gesprochen, also wie teuer Wii sein wird. Einzige Auskunft des Nintendo-Sprechers lautete, man sei fuer ein solides Preis-Leistungs-Verhaeltnis bekannt. Man darf vermuten, dass der Preis unter dem der PS3 liegen wird, da hier nicht ganz so verschwenderisch mit HD oder aehnlichem umgegangen wird.

11:30. Weiter zu Microsoft. Die haben ja nun keine neue Konsole zum raushauen, also wurde im Vorfeld schon ein bisschen spekuliert, was es wohl zu hoeren und sehen gaebe. Wie vermutet wurde einiges an Hardware fuer die XBox360 angekuendigt. Dazu zaehlen eine Kamera, drahtloses Headset und ein ebenfalls kabelloses Lenkrad fuer die Konsole. Zu haben ab Herbst. Und ein HD DVD Player fuer die 360 plus jeder Menge Filme. Der High Def Player soll ab Ende September dieses Jahres zu haben sein.

Fuer XBox Live wurden weitere alte Klassiker angekuendigt und unabhaengige Entwickler, die Neues liefern sollen.

Fable 2 wurde angekuendigt, ebenso wie Forza Motorsport 2 und natuerlich Halo 3. Bis hierhin wenig ueberraschend.

Dann allerdings kam ein schmaler Typ mit Brille auf die Buehne. Bill Gates persoenlich. Damit hatte wohl tatsaechlich keiner gerechnet. Denn auf der Spielemesse hatte sich Mr. Windows bisher noch nicht blicken lassen. Gates legte dar, wie die Zukunft digitaler Unterhaltung nach Microsoft aussehen soll.

Dazu zaehlt „Live Anywhere“, eine gemeinsame Kommunikationsplattform fuer XBox360, Windows-PCs und mobile Endgeraete wie Handys. Das heisst, die von XBox Live bekannte Buddylist oder der Marketplace lassen sich auch ueber den PC oder das Handy nutzen. Das gezeigte Beispiel aus der Praxis sah so aus: Spieler 1 zockt „Shadowrun“ auf der XBox360. Ueber der Live-Sevice bekommt er die Meldung, Spieler 2 spielt Shadowrun am PC. Jetzt kann man sich auf ein gemeinsames Spielchen treffen. Gekoppelt ist das ganze an das Erscheinen von Windows Vista und dem angesprochenen Spiel Shadowrun, einem Actionspiel mit Fantasy-Touch.
Vom Handy aus kann man ebenfalls sehen, wer gerade was macht. Eben das Spieler 1 & 2 Shadowrun spielen. Oder sich die sogenannten Gamertags ansehen, also die Visistenkarte der XBox Live Spieler.

Es geht darum, dass man immer die gleiche Spieleridentitaet nutzen kann, mit Freundesliste, seinem persoenlichen Highscore plus der Moeglichkeit zu direkter Sprachkommunikation.

Im Anschluss an die PK gab es noch die Moeglichkeit, einige Spiel etwas naeher zu betrachten. Dazu gings ins nah gelegene Roosevelt-Hotel. Hier wurde es dann etwas stressig. Die Journalistenstroeme werden gelenkt wie bei einer Evakuierungsuebung. Kamerateams links rum, der Rest bitte rechts rum. Da lassen die bulligen Sicherheitsleute keine Ausnahmen zu.

Also gut, ich trenne mich vom Team, gehe andersum rein und treffe dann das Team wieder.

Neben den genannten Fortsetzungen von Erfolgsspielen klang auf der PK „Viva Pinata“ gut. Das ganze erinnert etwas an die Bauernhof-Simulation „Animal Corssing“ von Nintendo. Es gilt, einen Garten zu kreieren, in dem sich nach und nach bunten Pinata-Tiere versammeln. Das klingt gut und weil es hier trotz allem noch entspannter zugeht, als auf der Messe, wirft Thomas die Kamera an. Unser Dreh im gemuetlichen Kabuff der Entwickler wird nach 15 Minuten unsanft unterbrochen. Ein weiterer bulliger Sicherheitsmann reisst die Tuer auf und verlangt die Ausweise aller Anwesenden. Ich habe zwar natuerlich einen, aber auf einmal nicht den richtigen. Den hat nur mein Kamerateam. Kopfschuettelnd packen wir zusammen, waehrend sich die ebenfalls verdatterten Entwickler mehrfach entschuldigen. Die sind auch Europaer und immer wieder mal ueberrascht ueber das manchmal seltsame Gehabe im Rahmen der E3.

Macht ja nichts, die tollen Tage auf der Messe werden noch weiter lustige und schraege Erlebnisse bringen. Mittlerweile ist es spaeter nachmittag und wir kaempfen uns durch den hoellischen Stadtverkehr wieder zurueck. Es muessen noch Texte geschrieben und Bilder hochgeladen werden.

Und morgen gehts erst richtig los. Und ratet mal wann? FRUEH!

Bilder zum E3-Tagebuch gibts uebrigens hier:


http://www.flickr.com/photos/valentinacarola/

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2 Gedanken zu „E3-Tagebuch, Tag 2: Presserummel

  • Mai 10, 2006 um 9:40 am
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    Hört sich ja fast wie in einer Instanz an…. 🙂 Gruß über den Teich.

    He, ich soll eine kleines Comic für die Sendung am 20.Mai zeichnen. Ein „typischer“ Gamer… so mit Pizzateilen in der Tastatur, leere Cola-Dosen, unrasiert (sofern männlich !), pickelig und schon am Stuhl festgewachsen mit implantierten Headset … naja, wie wir eben alle so sind, die WOW spielen ! 😉

    Traveller

    Antworten
  • Mai 10, 2006 um 11:00 am
    Permalink

    Moment! Was heißt hier typischer Gamer? Das sind doch alles nur Klischees! Ich hab z.B. keine Pizza in der Tastatur (eher Müsli, Joghurt (aus der CH), Mokkadrink (aus der CH), selterner Schokolade (aus der CH),… Dafür sitzen „typische“ weibliche Zocker ab und an mit Reitmontur vorm Rechner (kein Vorwurf…. ;o)).
    Übrigens, aufpassen Vali, unsere Reichweiten bei den Gesundheitszaubern reichen nicht über den Teich!
    Da bin ich ja mal echt gespannt, was unser lieber Traveller so auf’s Papier bringt.
    Bis dahin „Geronimo“ und „Es muß mehr gespielt werden!“
    Machdirnix

    Antworten

Und jetzt ihr!