Plakat INTELEXIT in der Nähe des "Dagger-Komplex" bei Darmstadt. Bild: Patrick Stößer / realfragment.de"
Plakat INTELEXIT in der Nähe des „Dagger-Komplex“ bei Darmstadt.
Bild: Patrick Stößer /
realfragment.de“

Die interessanteste Pressemitteilung des Tages trug die Überschrift: Information zum Launch des Aussteigerprogramms „Intelexit“. Ich hätte sie zwischen all den Blockbuster-AAA-Games-Meldungen und dem Kantinen-Newsletter fast überlesen. Und bin dann doch hängengeblieben. Zitat:

Intelexit ist ein Aussteigerprogramm für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der uns bekannten und unbekannten Geheimdienste weltweit, mit Fokus auf jeglichen illegalen und demokratiefeindlichen Handlungen durch Geheimdienste.

Hö? Echt jetzt? Nein, vermutlich nicht. Wobei ich das Wort „Fake“, wie der Spiegel schrieb, für das falsche halte. Man kann wohl eher sagen: Es handelt sich um eine hübsch subversiv-künstlerische Aktion, die einen völlig ernsten Hintergrund hat. Das Netzpolitik-Blog hat der Aktion mit diesem Post noch einen möglichst ernsthaft wirkenden Anstrich verpasst. Teil der Kampagne, ist zu vermuten.

Wie gesagt: Der Hintergrund ist bitterernst. Es ist ja nun nicht neu, dass ein gewisser Mr. Snowden in Russland festsitzt, weil ausgerechnet Vorzeige-Demokrat Putin der einzige ist, der ihm Unterschlupf gewährt. Das tut der zwar vor allem, um all denen „pain in the ass“ zu sein, die ansonsten tatsächlich ziemlich demokratisch funktionieren. Aber hierzulande kratzt man sich halt auch lieber ratlos die fürs Statement in der Tageschau-Schalte mit der Heißklebepistole fixierte Frise, statt Edward Snowden ins demokratische Europa reisen zu lassen.

Das blöde ist ja: Es ist oft erstaunlich schwierig, gut und böse sauber auseinanderzuhalten. Wo wir doch alle so gerne einfache Botschaften haben. Das mag man für eine steile These halten – einstweilen muss die Verweildauer von Botschaften mit atemberaubender Einfachheit wie „Atemlos“ in den Charts dafür Beleg genug sein. Aber ich schweife ab.

Die Pressemeldung von Intelexit weiter:

Intelexit startet am 28. September 2015 und stellt für alle Angehörigen der geheimdienstlichen Szene eine Anlaufstelle zu allen Fragen, die einen mögli- chen Ausstieg betreffen, dar. Wir sehen uns nicht als neutrale Beratungsstelle, sondern möchten Interessierte in ihrer Entscheidung auszusteigen bestärken.

Darüber hinaus bietet Intelexit Unterstützung bei all den weiteren Schritten weg vom verfas- sungsfeindlichen Agieren: Aufklärung zu ethischen Fragen im Zusammenhang mit Über– wachungstätigkeit, Unterstützung beim Erstellen eines Kündigungsschreibens, Hilfe bei der Durchführung des Ausstiegs und beim Aufbau eines neuen Lebens.

Hihi. Ja, es ist lustig. Tatsächlich arbeitet das Peng! Collective, das auf der Website angegeben ist, mit bekannten Überwachungskritikern zusammen. Allerdings würde sich eine Ausstiegsinitiative für Geheimdienstler wohl ziemlich sicher etwas diskreter verhalten. Naseweise Beweisführung Ende.

Nichts desto trotz ist das eine Aktion wie ich sie mag: Subversiv, smart, humorvoll. So sollte es aussehen, wenn man Aufmerksamkeit erregen und eine hübsche Portion zivilen Ungehorsam zeigen möchte. Ohne gleich was kaputtzumachen. Also Vorderzähne oder Zäune. Nichts gegen das Absingen der Internationale, aber das hier hat mehr, äh, Charme. Und meine Lieblingsspione sind Clever & Smart. Auf die lass‘ ich nix kommen!

 

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