Bild: Young people at the beach (Department of Maps, Prints and Photographs, The Royal Library, Denmark.)
Bild: Young people at the beach (Department of Maps, Prints and Photographs, The Royal Library, Denmark.)

„Auf Teufel komm raus cool“ oder „sehr schöner Film“: Das in etwa ist das jüngste Feedback zu Pixelmacher. Kritik ist nicht immer einfach. Manchmal schwer auszuhalten, manchmal schwer zu formulieren, leicht falsch zu verstehen. Das bezieht sich sowohl auf das, was (meist aus dem Netz) bei uns ankommt, als auch darauf, was wir intern so diskutieren. Ich versuche hier soviel wie möglich zu spiegeln, von dem, was wir mit Pixelmacher so hinter den Kulissen tun. Ich finde es wichtig, soviel wie möglich transparent zu machen – soweit das geht, ohne jemanden auf die Füße zu treten, Fehler meinerseits nicht ausgeschlossen.
Zuschauer sehen natürlich nur das, was irgendwann mal über TV-Bildschirme flimmert oder ins (hoffentlich nicht gedrosselte) Web fließt. Was hinter den Kulissen heftig diskutiert, verändert, versucht, wieder zurückgenommen oder neugestaltet wird, ist im TV oft kaum wahrnehmbar oder man bekommt es als Zuschauer eben einfach präsentiert. Nehmt. Guckt. Das finde ich schade und vor allem fehlt uns ein Rückkanal. Deswegen versuche ich das hier möglichst transparent zu machen. Feedback also unbedingt erwünscht!

Seit einiger Zeit laufen die Pixelmacher bei 3sat in Erstausstrahlung, die Wiederholung folgt eine Woche später in ZDFkultur. Noch ist über den Vorschlag, ZDFkultur einzustellen, nicht abschließend entschieden. Für Pixelmacher ist das zunächst mal nicht so entscheidend. Uns gibt es weiterhin und wer die Sendung tapfer von Mai 2011 bis heute verfolgt hat, konnte Zeuge eines ausgestrahlten Versuchslabors und Selbstfindungsprozesses einer Sendung werden. Wir verdanken ZDFkultur die Chance, ein Format über Monate hin entwickeln zu können. Wir glauben, basierend auf dem was bei uns ankommt und was wir selbst finden, dass wir inzwischen eine runde Sendung machen. Am Anfang fiel es uns teilweise schwer, den richtigen Ton zu treffen. Das war gelegentlich mal zu verkrampft, mal zu nüchtern, mal zu sehr Videoclip, mal zu konventionell oder mal zu flapsig. Inzwischen würde ich sagen, bewegen wir uns da einigermaßen sicher.

Themenseitig sind wir auch weiter: Die Mindfuck-Sendung aus dem April war der gezielte Versuch, sich mal mehr auf die Netzkultur-Themen zu konzentrieren. Das haben wir in der Vergangenheit nicht immer getan. Was auch daran lag, dass wir erst mal die Games-Themen ausprobieren und weiterentwickeln mussten. Es ist schwerer als gedacht, Videospiel- und Netzkultur-Themen gleichberechtigt und harmonisch in einer Sendung zu vereinen. Und das, obwohl es natürlich Schnittstellen gibt und die Videospielkultur ohne das Netz heute kaum vorstellbar ist. Aber es ist möglich, auch wenn die Ausgestaltung davon letztlich immer auch Geschmackssache ist.
Wir haben relativ früh beschlossen, nicht klassische Bockbuster-Reviews zu machen. Das macht bei einer 30-minütigen Sendung, die etwa alle 14 Tage eine frische Ausgabe produziert, wenig Sinn. Wir haben aber gemerkt, wir vermissen was. Es gibt unendlich viele Spiele da draußen, die es lohnt, kurz vorzustellen. Inzwischen konzentrieren wir uns auf Spiele, die wir für besonders interessant halten. Viel Indie, aber das ist nicht zwingend ein Muss. Die Riege reicht von nostaligisch angehauchten The Cave bis zum experimentallen Indie-Puzzler The Bridge.

Eine wichtige Stimme steuert Herr Kaschke bei. Sein Planet of the Games ist für mich ein wichtiger Part, der Videospiel- und Netzkultur zusammenbringt. Der Affe hat Wichtiges zu sagen, aber weil er ein Affe ist und immer mal leise vor sich hin kichert, merkt man das manchmal erst wenn man selbst ausgekichert hat. Besonders gut funktioniert das in Interviews, siehe die Roadtrips. Ob Nora Tschirner, Richard Garriott oder Al Lowe: Der Affe bricht mit allen gewohnten Interview-Situationen und so kam bei vielen Gesprächen Spannenderes heraus, als wenn die Interview-Partner auf einer Couch sitzen und die üblichen Fragen beantworten. Und Ingo und Alex von den Donots bringen als Grenzgänger zwischen Musik und Spielen eine ebenfalls wichtige Farbe mit.
Außerdem haben wir seid dem Start der Sendung einige wunderbare Autoren gewonnen, die immer mal wieder Beiträge beisteuern: Felix Ließ, Matthias Leitner, Willie Schumann oder Micha Cherchupan.

Wichtig scheint uns, dass man für ein Thema das richtige Gefäß findet. Wir nehmen uns strenger als zu Beginn an die Kandare: Ist ein Thema wirklich eins? Tut ein Experte im OTon wirklich Not? Ist es legitim, sich einem Thema mit Humor zu nähern, braucht es eine Gegenposition oder lieber generell Finger weg? Oder umgekehrt: Haben wir viel zuviel Schwere und Gewicht auf ein Thema gelegt, wo etwas Leichtigkeit besser gewesen wäre? Geben wir dieser oder jener Person zuviel Raum, wenn es um kontroverse Themen geht oder passt das? Das sind Fragen, die man eben immer wieder diskutieren muss.

Und damit wären wir bei dem guten alten Schlüsselwort „Zielgruppe“, um endlich mal zum Titel dieses Posts zu kommen. Immer wieder diskutieren wir auch mit Menschen, die Erfahrung mit Formatentwicklung haben und die uns regelmäßig Feedback geben. Unsere aktuelle „Hausaufgabe“: Beschreibt eure Zuschauer, soweit ihr das könnt. Und dann macht Programm für sie. Voll einfach, ey. Natürlich kann man dann sammeln und kommt auf solche Beschreibungen wie diese: Sie interessieren sich Unterhaltungsmedien jeglicher Art, die Plattform ist weniger entscheidend. Stichwort Popkultur, auch wenn dieser Begriff etwas schwammig ist: Es gibt ein großes Wissen und Interesse im Bereich Film, Musik, Videospiel. Aktuell diskutierte Themen im Netz werden von unseren Zuschauern aktiv begleitet. Es gibt wohl ein großes Background-Wissen vor allem bei Spezialthemen wie zum Beispiel Japan-Rollenspiele oder ähnliches. Und so weiter und so fort. Man kann das ewig fortsetzen und doch nicht alle und alles treffen.

Hilft nur eins, nämlich die Zielgruppe fragen: Was wollt ihr? Und: Wer seid ihr wirklich? Keine einfache Frage, ich weiß. Etwas einfacher zu beantworten: Wie kamen die Sendungen des Jahres 2013 bei euch an? Sie hießen Zeit, Speed, Gewalt, Mindfuck, Community, Gamification, Heldinnen und nicht zu vergessen, es gab zwei Roadtrips (Teil eins und Teil zwei) mit Herrn Kaschke, Ingo & Alex Donot. Alle Sendungen findet ihr unter dem Suchwort „Pixelmacher“ in der ZDF-Mediathek.

Welche Themen habe wir vernachlässigt, passen aber prima in das Format? Welche Events sind ein Thema (welche keins??) und wie stellt man sie dar? Es kann – egal ob E3 oder Republica – sicher nicht darum gehen, ein paar Stichworte zu nennen, einen Kameraschwenk durch die Menge zu machen und dann 2-3 Interviewpartner schlaue Dinge sagen zu lassen. Das kann ein News-Format (im Fernsehen) machen, dass vergleichsweise schnell reagieren muss, was auch dessen Stärke ist. Im Unterschied dazu wollen wir eher narrativ erzählen, mehr Hintergrund und Querverweise einfließen lassen, Kontext schaffen.
Aber was meint ihr? Raus damit!

Ey, Zielgruppe!
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2 Gedanken zu „Ey, Zielgruppe!

  • Juni 3, 2013 um 9:41 pm
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    Hallo Valentina, und das Komplette Pixelmacher Team!

    Finde euer Format hat sich gut entwickelt, vor allem die Mischung zwischen Indie und Mainstream gefällt mir. Etwas mehr Mainstream würde mich aber noch besser gefallen, ernsthafte und hintergründige Berichte über größere Spiele finde ich sehr interessant. Damit meine ich, dass vielleicht auch mal große Studios besucht werden und Entwickler interviewt werden. Ich weiß, dass ist sicherlich nicht so einfach, da diese nur ungern mit offenen Karten spielen. Aber mir würde eine Reihe über die größten Studios gefallen, mit Ihrer Geschichte, wo kommen Sie her was haben Sie alles gemacht, warum sind sie so besonders? Ich denke da steckt viele gute Geschichten drin, ich weiß z.B. über Ubisoft und Nintendo sehr wenig.
    Dank euch bin ich auch auf den Affen, bzw. den Gorilla gekommen, gerne mehr von Herrn Kaschke.

    Ich wünsche euch weiterhin den verdienten Erfolg mit eurer Sendung und freue mich schon auf die nächsten Folgen.
    Viele Grüße
    Christian

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  • Juni 6, 2013 um 8:13 am
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    Die Zielgruppe ist halt immer ein schwieriges Thema. Mit Blockbuster-Titeln fängt man natürlich sehr viel mehr Zuschauer, als wenn man auf Nischenthemen eingeht. Und natürlich schaue ich mir auch Beiträge über jene Blockbuster gerne an, weil ich sie natürlich auch selbst spiele.
    Aber ernsthaft, dafür hab ich zig andere Formate – egal ob Youtube oder Fernsehen, die ich mir dafür ansehe. Da brauche ich kein Pixelmacher, das mir dann das zehnte Review zu Call of Duty liefert.

    Gerade im öffentlich rechtlichen Bereich hat man doch eher die Möglichkeit nicht zu streng-wirtschaftlich zu denken und hier ein paar nackte Busen einzublenden und da ein paar Stammtischparolen abzugeben, um ja die Reichweite des Produktes groß zu halten, sondern euch stattdessen einen Platz zu suchen, den ihr für kulturell wichtig erachtet. Und genau dort solltet ihr bleiben. Auch wenn die Anzahl an Busenfetischisten noch so groß ist.

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Und jetzt ihr!