Gibt man bei meinem Lieblings-Onlinelexikon die Vokabel casual ein, bekommt man als erstes Ergebnis das Woertchen beiläufig. Beiläufige Spiele also sind DER Trend der Messe?

Jedenfalls wurde der Begriff Casual Games schwer strapaziert, am Pressetag, der traditionell von langen Reden, vielen Kuchendiagrammen und ergrauten CEOs mit flippigem Vokabular beherrscht wurde. Letzteres ist vielleicht ein kleines bisschen gemein, aber manchmal wirken die Statements der verschiedenen Publisher-Chefs doch arg bemüht.
Los gings wie immer mit der Eröffnungs-PK der Messe, die wie jedes Jahr von Zahlen und Erfolgsmeldungen geprägt war. Die ich euch an dieser Stelle erspare, außerdem habe ich nicht aufgepasst und müsste jetzt nachsitzen, äh -schlagen. Dafür war diesmal das Thema Zukunft der GC ein großes. Dazu gab es viele Publikumsfragen und die Antworten lassen sich in zwei Aussagen zusammenfassen. Erstens: Ja, auch 2009 und 2010 gibts eine GC in Leipzig. Zweitens: Der Verband ist offen für Verhandlungen… Aha.

Alle PKs werde ich hier nicht aufzählen, obwohl meine Notizen doch einige Seiten füllen. Aber das wird dann eher langweilig. Daher folgt jetzt ein total subjektives Best Of.

Nach der Eröffnungs-PK geht es zu EA: Spiele für alle

Spiele für alle heißt natürlich: Casual Games! Der Spiegel monierte ja schon, dass das zwar nett, aber irgendwie auch ein Rückschritt sei. Ganz so dramatisch sehe ich das allerdings nicht. In diesem Jahr sind es eben Casual Games, die im Fokus stehen, im nächsten Jahr ist es etwas anderes. Und bei an die 500 Ausstellern werden mit Sicherheit ein paar Kandidaten übrig bleiben, die mehr sophisticated sind, um mal beim englischen zu bleiben; ausgefeilter eben.
Vorgestellt wurden aber erst mal Dinge, die ich weniger als casual bezeichnen würde. Skate zum Beispiel. Abseits von Tony Hawk gibts ja nicht wirklich viel. Vielleicht wird das mit Skate anders. Vor allem auf die simple Steuerung bei größtmöglichem Realismus wurde bei der Demonstration viel wert gelegt. Gezeigt wurde es auf der XBox360 und sah wirklich richtig gut aus. Die besten Tricks lassen sich als Video festhalten und online stellen. Release ist für Ende 2007 geplant.
Richtig wach geworden bin ich aber erst wieder bei Smarty Pants, dem Besserwisser-Spiel für die Wii. Für mich als zweitem Vorsitzenden des 1. FC Klugscheisser genau das richtige. Bei Sonys Buzz ist ja eigentlich die schräge Präsentation und der Buzzer das Beste. Das eigentliche Quiz ist dann eher schlicht. Smarty Pants habe ich einige Runden gespielt und da findet sich ein dickes Paket an Trivial Pursuit-mäßigen Fragen. Dazwischen kommt die Wiimote zum Einsatz, indem man ein Tänzchen hinlegen muss oder sie zum Beispiel wild schütteln , um eine Leiste zu füllen, die dann einen kleinen Zeit-Bonus bringt. Auf Tempo kommt es nämlich auch an, beim Fragen beantworten.

EAs Smarty Pants

Auch witzig sieht Boogie aus, auch für die Wii. Hier dürft ihr mit einer Gesangs- und Tanzperformance euer Publikum überzeugen. Oder zu Lachtränen bringen. Vom Turnhallen-Party-Gröler YMCA bis zu Tanz-Fegern wie Don’t Cha von den Pussycat Dolls kann man hier Karaoke singen – ein Mikro wird mitgeliefert. Zu haben ab Ende August.

Boogie

Das war zwar natürlich nicht alles, aber mal das Einprägsamste für mich bei EA (ja ja, einen Crysis-Trailer gabs auch).

Ubisoft habe ich geschwänzt, wenn auch mit leicht schlechtem Gewissen, zugunsten Blizzards. Mit Ubisoft habe ich morgen noch einen Termin, daher habe ich mir erlaubt, mir die Präsentationen von Starcraft II und Wrath of the Lichking anzusehen. Bei Starcraft muss ich zugeben, habe ich wenig Aktien. ich habe es nie gespielt, weil ich so ein unfassbar lausiger Stratege bin.
Genauer aufgepasst habe ich dafür bei der Präsentation des neuen WoW-Addons durch Jeff Kaplan. Die diversen Features wurden ja schon auf unzähligen Websites gepostet, ich schenke mir das und gebe einfach wieder, was mir im Gedächtnis blieb. da wäre der neue Beruf des Bücherwurms, vielmehr Schriftgelehrten. Der kann zum Beispiel Spells verbessern. Nicht gesagt wurde, ob das bei Gnomen beispielsweise genauso in die Hosen gehen kann, wie deren Erfindungen. Die bekanntlich gerne mal nicht optimal funktionieren. Also statt dem großen Rumsbums-Blitzschlag wachsen den Gegnern nur Petersilien-Sträußchen an den Ohren, oder so was.
Ein paar Einblicke gab es in den neuen Kontinent Nordend (hm, das ist doch in Frankfurt…?). Es wird beispielsweise nicht-instanzierte PvP-Zonen geben. Die erste Zone, die man in Leipzig betreten kann, heißt Howling Fjord. Ich hoffe ja, ich komme auch noch dazu, mich da einzuloggen.
Zur neuen Heldenklasse der Todesritter: Die Helden starten nicht mit Level 1 sondern als hochlevelige Charaktere. Sie sind Plattenträger und tanken mit Zweihand-Schwertern, ein Schild wird nicht benötigt.
Außerdem erzählte Jeff Kaplan vom neuen Rune Ressource System. Diese Runen, von denen es mit Blood, Frost und Unholy drei Richtungen gibt. Die Runden können auf Waffen eingraviert werden und diese verschiedentlich aufwerten, die mit einer Cooldown-Zeit funktionieren.

Bei Konami wurde vor allem Hideo Kojima eifrig beklatscht, der MGS4 vorstellte.Das ist zwar nicht so sehr mein Spiel, aber ich muss sagen, auf der PS3 sieht es unglaublich gut aus. Nett auch die eher humorvollen Möglichkeiten, Snake als Statue tarnen zu können oder als Bodenbelag. Man muss ja nicht alles so ernst nehmen. Snake kann sich zum Beispiel auch im nächsten Mülleimer verstecken. Tut er das aber länger, verrät ihn der Geruch. Das nenn‘ ich Realismus.

Bei Nintendo gabs einen Standrundgang mit Herrn Doktor. Will sagen, Deutschland-Chef Bernd Fakesch, der wo Doktor für irgendwas ist. Leider konnte man auch hier nicht ganz auf das übliche Verkaufszahlen-Gedöns verzichten, wobei Nintendo einer von denen ist, die es am wenigsten nötig haben. Überraschungen gabs nicht wirklich, aber schließlich gilt für Nintendo wie für die meisten Publisher, die E3 ist noch nicht lange vorbei. Wii Fit sieht spaßig aus und es war wirklich total durchsichtig, die beiden vorführenden Fitness-Mädels ausgerechnet einen Hula Hoop-Wettbewerb austragen zu lassen, lieber Patrick von Nintendo…
Flash Focus ist der Arbeitstitel für ein DS-Spiel, das die visuelle Wahrnehmung trainiert. Dabei muss man sich Felder merken,in denen bestimmte Symbole ganz kurz erscheinen oder bei diversen Sportspielen einen ganz bestimmten Punkt auf dem Touchscreen zu treffen. Zu Beginn wird, wie beim Gehirnjogging, erst mal das Augen-Alter bestimmt. Ausgehend von dem Optimum von 20 Jahren. Ich kam immerhin auf 30 Jahre, nicht mal so schlecht, für den allerersten Test im Vorbeigehen.

Bleibt noch Sony, mit der längste PK des Tages. Als auf der großen Leinwand die Schrift „German Market Session“ auftaucht, falle ich in Ohnmacht und einige anwesende Kollegen bekommen einen Blutsturz… Gottseidank wird es doch noch mal interessant, weil einige interessante Anwendungen für die PS3 vorgestellt werden. Zum Beispiel PlayTV, ein Hard- und Software-Paket, dass die PS3 zum Festplattenrekorder macht. Komplett mit elektronischen Programmführer.
Insgesamt ist das große Thema, mit welchen Möglichkeiten die PS3 zum Mega-Multimedia-Wohnzimmer-Spaßpaket wird. Auch ein Trend: Viele Spiele bieten die Möglichkeit, zusätzlichen Content downzuloaden oder eigene Inhalte den umgekehrten Weg zu schicken. Das ist nun nicht ganz neu, hat aber teilweise eine neue Qualität. Neue Songs für Singstar kaufen wäre ein Beispiel und Performance-Videos eines der zahlreichen Activity-Games online-stellen, ein zweites.

So, für ein elegantes Schlusswort bin ich zu müde und ein Nickerchen ist dringend nötig. Morgen gehts weiter. Dann merze ich vielleicht auch noch diverse Tippfehler aus. Bis dahin dürft ihr die behalten, die sind mir jetzt grade wurscht 😉

Bilder gibts hier. Gute Nacht!

GC 2007, Teil 1: Der Trend zum „beiläufigen“ Spiel
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