Bild: Kristina Alexanderson Quelle: http://flic.kr/p/jK1qGt
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Nachdem wir wochenlang nur am Schreibtisch gesessen, Mails geschrieben und telefoniert haben, gings dieser Tage endlich auf die Straße. Realistischerweise drehen wir, wie es von der Orga her machbar ist und unsere Interview-Partner Zeit und Termine haben – wenn wir nicht uneingeladen auftauchen müssen, was teilweise auch passieren kann. Strenggenommen wird das Ganze keine reinrassige Reportage, auch wenn reportagig erzählt wird. Wir haben für jede Folge eine Erzählzeile, die wir durch die 30 Minuten ziehen. Soviel mal als kleiner Disclaimer vorab.

Vom langen Weg zur Gema-Alternative und Sebastians guten Ruf
Unser erster Weg führt uns nach Düsseldorf, zu einem Interview mit den Machern von C3S. C3S ist eine Genossenschaft, die sich zum Ziel gesetzt hat, eine GEMA-Alternative zu werden. Die GEMA, ihr wisst schon, das sind die die verhindern, dass es Musik bei Youtube gibt. Soweit die einfache „Wahrheit“, wie sie die Firma Google so hübsch diskret über ihre Sperrtafeln vermittelt. Das ist natürlich nur eine Sichtweise bzw. Darstellung von vielen. Dazu demnächst an anderer Stelle im diesem Blog mal meine ganz persönliche Meinung.
An dieser Stelle sei nur gesagt, dass wir uns ein möglichst breites Bild von der Lage in Deutschland machen wollen, allerdings ohne den Anspruch alle, wirklich ALLE Seiten darstellen zu wollen oder gar zu können. Das Gespräch ist für Folge 4, in der wir fragen, ob uns das deutsche Netz bestraft. Diesen Eindruck könnte man ja durchaus bekommen, wenn es um Musik, Serien und ähnliches geht.

Was C3S anders machen will, als die GMEA: Künstler sollen die Möglichkeit haben, nur ausgewählte Werke zur Verwertung und Verwaltung zur Verfügung zu stellen – die C3S will keine exklusive, personenbezogene Lizenzierung, es sei denn, der oder die Künstler wünschen das so. Die C3S-Macher sind noch lange nicht soweit, an den Start gehen zu können. Zunächst gabs eine Crwofunding-Phase und derzeit wird vor allem viel programmiert. Es gibt technische neue Möglichkeiten zu schaffen, damit Künstler den Service nutzen können und auch rechtlich noch eine Menge Arbeit. Unser Reporter Sebastian hat sich jedenfalls mit den Machern unterhalten und versucht rauszufinden, ob C3S es besser hinkriegen kann, als die GEMA.

Weiter gehts (juhu, ich fahre) erst mal nach Essen. Hier befindet sich das Büro von Dein-guter-Ruf.de. Hier drehen wir für Folge 3: Wie angreifbar macht uns das Netz?
Der Service Dein-guter-Ruf.de wurde 2007 gegründet und war damals noch fast ein bisschen exotisch. Dieser Tage, wo Shitstorms und Cybermobbing, Revenge-Porn und Stalking bedauerlich präsent sind, sieht ein solcher Dienst eher nach dringend notwendig aus. Eigentlich will Dein-guter-Ruf.de den digitalen Ruf einer Person eher optimieren, hat also einen positiven Ansatz. Dazu muss aber allzu oft erst mal überhaupt ein Ruf hergestellt werden. Wer behauptet, er sei ja „nicht im Netz“, meint meist, er oder sie habe kein Facebook-Profil, nutze weder Twitter noch Instagram oder sonst irgendwas im Bereich Social Media. In Essen erzählt man uns aber beispielsweise von einem Fall, wo ein Rentner von seiner Vergangenheit eingeholt wurde. In den 60ern wurde er einmal straffällig – was man als Jugendsünde bezeichnen konnte. Seitdem, also seit einen halben Jahrzehnt, war der Mann völlig unbescholten. Nun hat Google aber begonnen, alte Zeitungen einzuscannen und darüber tauchte diese Geschichte im Netz auf. Für den Mann ein persönliches Desaster. Man kann nicht alles über sich im Netz wieder loswerden, aber man kann versuchen, zumindest einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Die Klienten von Dein-Guter-Ruf.de sind mehrheitlich ab 30 Jahre alt. Nach eigener Aussage schafft es der Dienst, 85% aller negativen Einträge loszuwerden. Über die Jahre hat man sich zudem gute Kontakte aufgebaut. Mit vielen Anbietern haben sie regelmäßig Kontakt Es gibt allerdings auch eine Blacklist von Websites, wo man aus Erfahrung weiß, da geht nichts. Beispielsweise, weil Briefkasten-Firma oder auch einfach komplett kommunikationsunwillig. Sebastian hat seinen eigenen Netz-Ruf auch mal auf den Prüfstand gestellt. Was dabei rauskommt seht ihr am 7.5. um 18 Uhr in 3sat.

Von inszenierten Shitstorms und den sechs Troll-Leveln
Weiter gehts nach Münster (juhu, ich fahre). Wir treffen uns am idyllischen, aber zugig-kalten Aasee mit Marina Weisband. Sebastian unterhält sich mit ihr für die gleiche Folge (Wie angreifbar macht uns das Netz?).
Nun brauchen es ja nicht viel, um Trolle und andere Menschen- oder Demokratie-feindliche Leute im Netz Amok laufen zu lassen. Marina Weisband bietet aber genug: Als Frau, mit ukrainischen Wurzeln, als Jüdin, als Piratin, als Ex-Piratin. Zudem ist sie klug und lässt sich nicht den Mund verbieten. Den unzähligen Angriffen gegen ihre Person begegnet sie mit einer Mischung aus Gleichmut, Humor und Gegenwehr. Wo es geht, trollt Marina auch gerne humorvoll zurück: Da man sie gerne als „Uboot“ bezeichnet, dass für die üblich Verdächtigen (USA, Mossad, der Westen, Liste beliebig fortsetzbar) Propaganda mache, zeichnet sie sich einfach selbst als UBoot. Auf ihrer persönlichen Troll-Skala gibt es Level 1-6: Level 1 ist ein Bot, je höher das Level desto mehr wird gezielt eine Person/Gruppe angegriffen. Und je nach Level wird es auch mal richtig unangenehm. Und trotzdem vertritt sie vehement das Recht auf ein freies, unzensiertes Netz für alle. „Leute auf Twitter oder Facebook blocken, weil sie sich daneben benehmen, ja. Aber ganze Dienste oder Websites stilllegen, nein“, sagt sie Sebastian.

Wir brummen (ich! fahre!) weiter nach Köln, wo wir am nächsten Tag bei TubeOne vorbeischauen werden. TubeOne ist ein Youtube-Netzwerk. Zu den Künstler, die TubeOne vermarktet, gehören Dima und Sascha Koslowski, die für ihren YouTube Kanal „Die Aussenseiter“ seit 2006 Videos produzieren. In Episode 2 des Making-Of also: Sebastian unter Youtube-Stars. Bis dahin: Gute Nacht.

Making Of, No 1: Netzkultur-Reportage
Markiert in:                 

Und jetzt ihr!