syfy-trion-worlds_1Trion Worlds… nie gehört? Ich jedenfalls nicht, aber ich bin im Vorfeld zur Gamescom über einige ehrgeizige die Pläne von Trion gestolpert, die mich neugierig gemacht haben. Der (Zitat) „führende Herausgeber und Entwickler von vernetzten Videospielen“ arbeitet an einem MMO, dass mit einer TV-Serie vernetzt sein soll. Auf der Gamescom hatte ich Gelegenheit mit dem deutschen Chef von Trion Worlds, Lars Buttler, zu sprechen.

Die Partner

SyFy-Channel:
Mit im Boot für das Projekt: Der SyFy-Channel. Der Spartenkanal gehört zu NBC Universal und produziert Serien wie Battlestar Galatica oder Stargate Universe. Ein Team vom SyFy-Channel arbeitet am Drehbuch zur TV-Serie. Sowohl Spiel als auch Serie sollen eigenständig funktionieren; wer kein MMO-Fan ist, soll trotzdem Spaß an der Serie haben und vice versa. Das Spiel wird in San Diego entwickelt, die Serie in L.A., so soll der Austausch zwischen den beiden Teams relativ einfach sein.

Trion Worlds:
Trion Worlds wurde 2006 noch unter etwas anderem Namen gegründet. Lars Buttler war bei Electronic Arts, ist also kein Neuling in der Spielebranche. Ursprünglich war noch Jon Von Caneghem mit im Boot, der so bekannte Rollenspiele wie Might and Magic und Heroes of Might and Magic entwickelt hat. Er ist allerdings seit April 2009 nicht mehr dabei und verfolgt seit einiger Zeit andere Pläne bei EA. Das erste Spiel von Trion Worlds ist das MMO Rift – Planes of Telara. Dieses und End of Nations, ein Mix aus MMO und Echtzeit-Strategie, waren in diesem Jahr auch auf der Gamescom anzuspielen.

syfy-trion-worlds_2Die Herangehensweise lässt sich laut Trion-Chef Lars Buttler mit der Art und Weise vergleichen, wie Lost-Macher J. J. Abrams ans Drehbuchschreiben ging. Abrams nutzte die rege Fan-Diskussion, beispielsweise in Foren, als Feedbackkanal. Das soll bei SyFy ähnlich funktionieren – in diesem Fall wird aber wahrscheinlich eher das Spiel der Feedbackkanal für die Serie sein.

Darum geht’s:
Anders als das Gros der MMOs soll das noch namenlose Projekt ein Science Fiction-Setting haben. Die Geschichte: Aliens und Menschen teilen sich seit einigen Jahrzehnten die Erde, dabei gibt es sowohl friedliches Zusammenleben, aber auch Konflikte und Auseinandersetzungen. Die Handlungsorte verteilen sich theoretisch auch auf der ganzen Welt.

syfy-trion-worlds_3Wenn man sich auf den einschlägigen Webseiten zu den bekannten MMOs umsieht merkt man schnell: Es gibt eine Menge Spieler oder ganze Gilden, die einen hohen Bekanntheitsgrad in der Szene besitzen. Hier will Lars Buttler ansetzen: Spieler, die etwas besonderes erreicht haben, beispielsweise den berüchtigten „First-Kill“ eines Bossgegners, tauchen als Gesprächsthema in der TV-Serie auf. So könnten die Stars der Serie ihn im Gespräch erwähnen. Das alles klingt noch ein wenig nebulös, aber nichts desto trotz spannend.

Laut Buttler hat Trion eine Technologie entwickelt, die es erlaubt, sehr schnell und dynamisch neue Inhalte für das Spiel einzuspielen. Die TV-Serie ist natürlich langsamer, aber die Schreiber der Serie können sich am Spielverlauf orientieren und auch an dem, was in Foren diskutiert wird. Siehe die Herangehensweise bezüglich des Schreibens – Foren und Spiel dienen als Feedbackkanal.

Der Start für Spiel und Serie wird für 2012 angepeilt, denkbar wäre im kommenden Jahr auf der Gamescom schon etwas vom Spiel zu sehen. Eventuell gibt es dann auch schon einen Piloten der Serie, so dass man Ausschnitte sehen kann.
Das Spiel soll eher Action-orientiert sein, mit Rollenspiel-Elementen, wie etwa Mass Effect. Es gibt Level, aber der Spielverlauf ist insgesamt schneller als ein konventionelles MMO mit seiner Talentpunkte-Verteilung. Es gibt im Spiel verrücktere Aliens, als in der TV-Serie, denn in letzterer setzt man auf Schauspieler – kein CGI.
Nun ist der SyFy-Channel nicht direkt dafür bekannt, im Budegtbereich von Lost & Co zu operieren. Laut Buttler produziert SyFy-Channel aber am oberen Level, qualitativ soll sowas wie Batttlestar Galactica der Standard sein.

syfy-trion-worlds_4Das ganze dürfte zudem nicht ganz billig sein. In ein gutes MMO muss man Geld investieren: Server-Kapazitäten, Support, Entwicklung, etc pp. Und eine solide TV-Serie ist auch nicht gerade billig. Die Beteiligten haben eine Menge Investoren von ihrer Idee überzeugt, wie Lars Buttler schon 2008 dem Focus erzählte. Laut dem Focus-Interview wurden rund 30 Millionen in das Projekt investiert (Stand September 2008).
Betreiber des Fernsehsenders NBC (der Mutter des SyFy-Channels) ist der Mischkonzern General Electric (GE), der auch als Finanzdienstleister tätig ist. Es stecken also durchaus potente Unternehmen dahinter, wie man so schön sagt. GE hat auch einen ersten Hintergrund-Bericht zu diesem Projekt auf seinen Seiten, auf den man mal einen Blick werfen sollte. Sehr viel mehr wird es wohl auch in absehbarer Zeit noch nicht geben.

Das ganze klingt hoch-interessant. Das Projekt kann sich als gigantisches Windei entpuppen. Oder in die Hose gehen. Oder aber funktionieren. Noch ist es zu früh, hier mehr als zu spekulieren.

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