News, Baby!

Nachrichten um viertel nach Acht im Fernsehen? Na gut, das ist wirklich ziemlich vorbei. Damit alleine deckt nicht mal mehr meine Mutter ihren Nachrichten-Konsum: Auch auf ihrem Frucht-basiertem Endgerät gibt es mittlerweile diverse Nachrichten-Apps. Also vermutlich  nutzt kaum noch jemand nur eine Nachrichten-Quelle, aber die Art und Weise, wie und wo man Nachrichten liest/hört/sieht, hat sich doch ziemlich verändert. Trotzdem ist sowas wie die  Tageschau-App immerhin unter den Top 10 der Nachrichten-Apps. Noch immer steht dahinter eine große Redaktion und ein klassisches Medium. Allerdings mussten logischerweise auch große Nachrichtenhäuser ihre Inhalte auf neue Generationen und vor allem verändertes Nutzerverhalten abstimmen. Beispielsweise, indem man kurze Nachrichten-Clips für Twitter & Facebook untertitelt, weil viele Leute nicht jederzeit Ton hören können – weil sie ohne Kopfhörer unterwegs sind oder im Büro sitzen. Und so gut viele Dossiers der Süddeutschen oder der Zeit sind: Soviel Zeit oder Muße für Nachrichten haben nur echte News-Junkies.

Resi, was geht?

Seit 3 Monaten versucht noch jemand, Menschen mit Nachrichten auf andere Art und Weise abzuholen, nämlich Resi. Ich dachte dabei erst mal an Resident Evil, aber nun. Tatsächlich ist Resi ein Frauenname und noch tatsächlicher heißt so die Freundin von Erfinder Martin Hoffmann. Resi ist eine Nachrichten-Assistentin und die App sieht aus wie ein Chat-Client. Resi schickt ihren Nutzern kurze Nachrichten in Chat-Form und bietet mir dann diverse Antwort-Möglichkeiten. So sieht das dann aus:

Dabei lernt Resi immer dazu: Je nachdem, welche Nachrichten ich bevorzuge. Das ich steuern, indem ich unten auswähle, dass  ich zum Thema XYZ grundsätzlich mehr Infos möchte. Wirtschaft beispielsweise oder auch lieber so etwas wie „kuriose Nachrichten“. Martin spricht ungern von Zielgruppen, sondern eher davon, welchen Typ von Nutzer sie erreichen wollen. Und zwar Menschen, die eher Nachrichten-fern sind, ohne aber gänzlich in einem Vakuum leben wollen. Schließlich redet man auch über Dinge, die gerade so passieren. Tendenzielle zielt Resi natürlich schon auf junge Leute, so etwa zwischen 15 und 25 Jahren, sagt Martin, wenn er gefragt wird. Martin ist Online-Journalist, hat in Darmstadt studiert und hat das Social Media Team der Welt aufgebaut und geleitet. Und weil er mit der als Chat-Bot agierenden Lark-App eine fast persönliche Beziehung hatte, dachte er: Das ist eigentlich gar nicht schlecht – warum nicht eine App, die auf diese persönliche Weise Nachrichten vermittelt?

Sag mal, Martin!

Apropos: Ich mich mit Martin unterhalten und einiges zu Resi und Nachrichten-Vermittlung gefragt und dachte zunächst, ich fasse das hier als Blog-Post zusammen. Aber ihr könnt euch auch gerne das (fast) ganze Gespräch anhören. Fast, weil am Anfang ein bisschen was fehlt. Ich übersah bedauerlicherweise, dass der dusselige Call Recorder trotz des Klicks auf Record nicht aufnahm. I blame meine Maus. Daher beginnt das Gespräch direkt beim Thema Inspiration für Resi ein und das war eben die App Lark:

 

 

Was natürlich sehr cool wäre: Wenn ich mit Resi frei chatten könnte. Ich kann ja nur unter 2-3 vorgegebenen Möglichkeiten auswählen. Resi ist keine KI, sondern wird von Menschen gemacht. Und das ist vermutlich die bessere Idee. Künstliche Intelligenz klingt intelligenter, als die Technologie tatsächlich aktuell ist. Nachrichten werden bei bzw. für Resi kuratiert und kurz zusammengefasst und das grundsolide. Ich kriege zunächst eine kurze Info und kann mich dann entscheiden, ob ich mehr will.  Es gibt inzwischen auch den Longread des Tages, ich bekomme nicht nur Schnipsel. Und es wird am Ende fast immer verlinkt – ich erfahre also, wo eine Nachricht herkommt.

Noch ist das Angebot kostenlos aber das wird nicht in alle Ewigkeit so bleiben können, denn natürlich muss Arbeit bezahlt werden. Wie das genau aussehen soll, ist noch nicht klar. Da werden wir irgendwann im nächsten Jahr mehr erfahren. Und auch darüber rede ich mit Martin im obigen Gespräch ein bisschne mehr.

Was ich an Resi besonders mag und das machen andere Medien praktisch gar nicht: Resi hat Humor und Haltung, ohne es zu übertreiben:

 

 

Und sonst so?

Ich habe eigentlich nicht viel zu kritteln. Zunächst waren einige Dinge gewöhnungsbedürftig – darüber reden wir ja auch im oben eingebunden Gespräch. Sind Gifs wirklich immer angemessen, wenn es um Terror und Krieg geht? Oder darf man das einfach nicht so hoch hängen? Ist das Schnipselwissen oder einfach nur gut kuratierte, kurz zusammengefasste News? Ich finde, Resi ist eine ziemlich gute Idee, um Nachrichten an Leute zu vermitteln, die eben nicht die Tageschau- oder N24-App konsultieren oder sich auf die Facebook-Timeline verlassen. Es gibt vermutlich nicht den richtigen oder falschen Weg, Nachrichten zu vermitteln, sondern nur verschiedene Angebote und Aufbereitungen. Denken müssen wir eh selbst.

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