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Pünktlich um 8:25 gings los nach London, pünktlich wurde in Heathrow gelandet. Statt dem üblichen „auf Wiedersehen“ aus dem Cockpit gabs eine etwas schockierende Ansage: „Meine Damen und Herren, Sie haben sich sicher über die seltsamen Geräusche gewundert. Eines unserer Triebwerke hat sich verschluckt, deshalb haben wir es abgeschaltet. Und deshalb wurden wir auch von der Feuerwehr empfangen. Aber es besteht kein Grund zur Sorge.“
Grossartig, ein Fest für latente Flug-Feiglinge wie mich. Schön aber, dass mir nichts von alledem aufgefallen war. Weder Geräusche, noch Feuerwehr. Aber ich habe ja schon mal erwähnt, dass ich morgens etwas verpennt bin…
Dann ging es aber Gott sei Dank ohne Pannen weiter. Am Gepäckband traf ich auf Nintendo-Pressesprecher Stefan Gundelach und Bernd Fakesch. Das war deswegen fein, weil ich mich elegant in deren Shuttle in die Docklands werfen konnte, statt öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Zwar hatte mein Londoner Kameramann Richard mir einen kleinen Rieseplan gemailt, aber der hätte 3 Mal umsteigen bedeutet. Schneller war zwar auch der Bus nicht, aber auf jeden Fall bequemer.

Pressekonferenzen der Spielebranche sind gerne etwas aufwändiger. Da muss es schon richtig dicke Lichteffekte, Sound-Gedöns und viel Trommelwirbel geben. Rund 700 Journalisten waren zum Probespielen und zur Pressekonferenz in die Londoner Docklands gekommen.
Auch der Chef persönlich. Das Präsident Iwata aus Japan kam, ist durchaus nicht unbedeutend. Es zeigt, wie wichtig es Nintendo ist, im so genannten „Konsolenkampf“ vorne mitmischen. Ausserdem hatte gerade erst in Japan das Briefing für die dortigen Medien stattgefunden. Aber wer Konsolen verkaufen will, muss reisen. Oder so ähnlich.
Neue Zielgruppen müssen her. Das Nintendo das ganz gut hinkriegen kann, zeigt ja schon der DS, der offensichtlich viele bisherige Nichtspieler gewonnen hat. Das funktionieren irgendwie mit einer Rolle rückwärts. Statt hochauflösenden Bilder und Highend-Grafik plus mordsmässig Wumms gibt’s hier mehr pfiffige Spiele-Ideen. Spielen soll wieder einfacher und zugänglicher werden. Finde ich durchaus begrüßenswert. Ich persönlich will mir weder ständig die Zähne ausbeissen noch halte ich alles unter 4o Stunden Gameplay für öde.
Auf der Bühne zeigten die beiden Top-Tennispieler Tim Henman und Greg Rusedski, wie simples, aber innovatives Spielen funktionieren soll. Sie griffen zum Controller statt zum Schläger, um sich höflicherweise in einem Match gegen Sony-Chef Iwata und seinen Europa-Kollegen Laurent Fischer schlagen zu lassen.
Dank Bewegungssensor im Controller muss man halt Spiele-Neulingen nicht lange erklären, wie Tennis mit Wii funktioniert. Die sehr aktive Spielweise mit Wii könnte sich allerdings nicht für alle Wohnzimmer geeignet zeigen. In meiner engen Dachwohnung, mit einem in die Ecke gequetschten Fernseher dürfte das ein Riesenspaß werden.

Den meisten Anwesenden dürften viele Features von Wii nicht neu gewesen sein. Und alle Karten legte Nintendo immer noch nicht auf den Tisch. Zur Online-Strategie zeigt man, was mit Wii grundsätzlich möglich ist.
Das Menü von Wii ist recht gelungen. Nintendo nennt das ganze Channels, in Anlehnung an die Tatsache, dass man ja am TV sitzt. Das Channel Menü begrüßt einen als erstes. Die Channels versteht Nintendo als eine Art Gateway zu den verschiedenen Möglichkeiten von Wii. Sie sind, vergleichbar vielleicht mit AOL, eine Art eigene Umgebung von Nintendo. Über sie wählt man Spiele, den Empfang von News und Wetterberichten, Fotos ansehen oder versenden und ein kleiner Editor namens „Mii“. Letztere Möglichkeit entstand offenbar erst in jüngster Zeit. Der Mii-Editor dient dazu, selbst Charakterköpfe, seinen eigenen Avatar, zu entwerfen, die man in manchen Spiele einsetzen kann.
Neben den Info-Channels kann man aber auch im „richtigen“ Internet surfen, dank Opera Browser. Zur weiteren Online-Strategie wurde die „virtuelle Konsole“ genannt. Wii kann alte Spiele-Konsolen emulieren und so kann man verschiedene Klassiker für NES, N64 und andere herunterladen. Außerdem soll es die Möglichkeit geben, weitere Channels zu erwerben. Zur Preisen und weiteren Details des Services wurde nichts Genaueres enthüllt.

Ein bereits angekündigtes Feature ist WiiConnect24. Die Konsole wird nicht mehr abgestellt. Man kann zwar einen Off-Knopf dazu drücken, aber Wii geht dann nur in einen Standby-Modus. Eine Verbindung zum Internet kann bestehen bleiben und so zum Beispiel ein gerade gestarteter Download bequem beendet werden, ohne die Konsole angeschaltet lassen zu müssen. Trotzdem soll Wii dann nicht mehr Strom verbrauchen als eine kleine Glühbirne.
Über WiiConnect24 läuft auch ein Message Board, für Kurz-Nachrichten an andere Wii-User oder zum Austausch von Bildern. Auch einen Kalender gibt es an Board, der auch mit den Spielen zusammen funktioniert. So können zum Beispiel für manche Spiele mit Onlinefeatures Event-Informationen angezeigt werden.
249 Euro kostet Wii, das ist etwas teurer, als spekuliert wurde. Dafür ist im Paket auch ein Spiel dabei und zwar Wii Sports. Wie generell üblich gibt’s nur für einen Spieler Controller, bestehend aus der Wii Remote und dem zusätzlichen Nunchuck-Controller.
Dabei sind außerdem alle nötigen Kabel und Sensoren fürs TV-Gerät im Karton. An die 20 Spiele sollen zum Verkaufsstart zu haben sein, unter anderem auch der lang erwartete neue Zelda-Teil. Rund 100 Spiele seien derzeit in Entwicklung, so Nintendo.

Ich hatte eher auf 200 Euro gehofft, dass wäre psychologisch für mich das Argument zum „Sofort-Kauf“ gewesen. Schaun mer mal… was das Konto im Dezember sagt.

Direkt vom Dreh gings dann in Schnitt, wo ich mit dem Australier und Spassvogel Andy aus drei Bändern von knapp 1,5 Stunden zwei Minuten und 50 Sekunden zusammengestrickt habe. Schon lustig, O-Töne zusammen zu schneiden, mit jemandem, der kein deutsch spricht. Und so ein australischer Akzent ist auch nicht zu verachten. Da musste ich schon ab und an mal ein diskretes „Excuse me?“ nachsetzen.

Jetzt halte ich mich mit dem „Pretzel Mix“ aus der Minibar über Wasser, um noch flott der Aufforderung nachzukommen, endlich einen Text abzuliefern…

Bilder gibts wie immer hier.

Nintendo-Pressekonferenz in London: Wii kommt am 8. Dezember
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