Destiny: Travelers Rest (Bild: Activision)
Destiny: Travelers Rest (Bild: Activision)

Der Publisher Activision wurde 1979 gegründet – da war CEO Eric Hirshberg (46) noch ein Kind. Mit der Call of Duty-Reihe hat der Verlag eine der weltweit erfolgreichsten und langlebigsten (seit 2003) Spielereihen i Portfolio – die dazu noch „review-proof“ ist. Und „Skylanders“ ist für Kinder, was in den Achtzigern die Tamagotchis ware. Mit Spielen, Figuren und Extras hat Activision im Herbst 2013 1,5 Milliarden US-Dollar verdient. Seit 5 Jahren lenkt Hirshberg den Konzern. Das Gespräch mit ihm habe ich für die Kulturzeit geführt, die am 18. September (19:20 Uhr in 3sat) eine Extra-Ausgabe zum Thema Videospiele plant. Wir sprechen über Innovation, der Bedeutung von Geschichtenerzählen und dem Reifeprozess von Spielen.

Activision kann offensichtlich einige Dinge ziemlich gut: Die Call of Duty-Serie zum Beispiel verkauft sich hervorragend. Könntet ihr euch nicht einfach zurücklehnen und sagen, ach, lasst uns darauf konzentrieren, die Serie jedes Jahr ein bisschen zu verbessern, wir brauchen nicht unbedingt die große Innovation, ganz neue Ideen oder gar Arthouse-Themen?

Eric Hirshberg: Nun, ich denke man MUSS sich um Innovation und neue Ideen kümmern, denn wenn du das nicht tust, auch die bestehenden Marken nicht erneuerst, dann wirst du nicht überdauern. Mit Call of Duty oder Skylanders haben wir erfolgreiche Marken, die die Leute lieben, und du musst ihnen einen Grund geben, jedes Jahr zurückzukommen und das wieder ins Herz zu schließen. Mit Investitionen in neue Themen wie Destiny versuchen wir, unser Portfolio zu erweitern und neues Publikum zu gewinnen. Und dabei auf ein Team wie Bungie zu setzen, macht für diese Strategie Sinn.

Call of Duty mit Kevin Spacey als Schauspieler sieht nun noch mehr aus wie eine modern Drama-Serie…

Eric Hirshberg: Die Grenzen verwischen zusehends!

Ja, auf jeden Fall! Es gibt Lektionen, die von Filmen erlernt wurden: Das können die richtigen sein, aber auch falsche Lektionen. Blockbuster-Filme versuchen uns mit Bildern zu überwältigen, mit was versucht Call of Duty uns zu packen?

Eric Hirshberg: Ich verstehe nicht ganz, was Du mit den richtigen oder falschen Lektionen meinst?

Ist es tatsächlich unterhaltsam oder erschafft es nur die Illusion, unterhaltsam zu sein? Überwältigt es uns mit Bilder, ohne darunter mehr Substanz zu bieten?

Eric Hirshberg: Es ist definitiv nicht die Illusion von Unterhaltung, es IST Unterhaltung! Zuallererst: Spiele sind Spiele, sie sind interaktive Erfahrungen und sie sind wirklich anders als Filme als Kunstform. Ich weiß, dass Leute sie gerne mit Filmen vergleichen, weil es ähnliche Elemente gibt, sie auf dem gleichen Bildschirm zu sehen sind und manche Szenen aussehen, wie aus einem Action-Film. Aber sie sind designt als interaktive Erfahrung und das ist es, was sie erfolgreich macht.
Zum zweiten denke ich, wenn du eine gute Geschichte erzählst, gute Charaktere erschaffst und erzählerisch etwas Gutes schaffst, dann ist das auch ein Großteil dessen, was die interaktiven Erfahrung so fesselnd macht. Mit Kevin Spacey als ikonischem Fiesling in Call of Duty haben wir eine fesselnde Story darüber, was passiert, wenn private Millitär-Konzerne zu viel Macht bekommen. Wir fanden, diese Figur ist eines Schauspielers seines Formats würdig. Tatsächlich ist jemand, der zwei Academy Awards gewonnen hat, in einem Videospiel zu haben, ein toller Moment. Aber ich denke, die Geschichte selbst spricht für sich und auch die Interaktivität.

Die Geschichte klingt jedenfalls sehr modern, sie reflektiert, was wir heute auch schon sehen: militärische und behördliche Infrastrukturen sind vernetzt und online und damit sehr verwundbar. In diesem Punkt ähnelt die Geschichte der des Spiels Watch Dogs. Denkst Du , dass Spiele erwachsener werden, was das Erzählen von Geschichten angeht, das es mehr als Zombie- & Alien-Geschichten gibt?

Eric Hirshberg: Ich denke, das Geschichtenerzählen ist schon lange Teil von Spielen. Sicherlich können wir dank verbesserter Technologie, dank verbesserter Animationen von Gesichtern und Bewegungen viel nachdrücklicher emotional mit einem Charakter Verbindung aufnehmen. Offensichtlich wird das Geschichtenerzählen stärker. Ich glaube aber, es geht darum, zwei Dinge in Balance zu halten: Spiele sind nicht ausschließlich ein erzählendes Medium, sie sind außerdem ein Medium, dessen Interaktivität sie erfolgreich und fesselnd machen. Es geht darum, diese beiden Dinge ganz natürlich zusammen zu bringen.

Destiny scheint der perfekte Genre-Mix, mir hat die Beta viel Spaß gemacht. Aber: Ein gutes Rezept zu haben bedeutet trotzdem nicht zwingend, das die Mahlzeit am Ende gut schmeckt. Wie schwierig ist es, etwas wirklich Innovatives zu schaffen?

Eric Hirshberg: Ich denke, was uns von Destiny und Bungie überzeugte, war deren Vision, bekannte Elemente aus verschiedenen Genres auf neue Art zusammen zu bringen. Auf der einen Seite sind sie natürlich eines der besten Teams weltweit, was solche Action-Abenteuer aus der Egoperspektive betrifft, das sah man ja schon bei der Halo-Serie. Auf der anderen Seite bringen sie Elemente aus MMOs und RPGs dazu, also das investieren in die eigene Spielfigur, die persistente Welt, das Entdecken und das soziale Element. Das kommt auf eine frische Art zusammen – allerdings brauchte es auch eine gewisse Produktionszeit bis man sehen konnte, dass unser ursprünglicher Instinkt richtig war. Denn es klang auf dem Papier großartig, aber erst, wenn du den Controller in die Hand nimmst und merkst, wie es sich anfühlt, auf andere, reale Spieler zu treffen und gemeinsam eine Geschichte zu erleben, kannst du wirklich sehen, wieviel Spaß es bringt. Ich weiß nicht, wie es Dir ging, aber ich finde, es bringt Spaß!

Entwickler und Verleger haben schon immer versucht, reale und virtuelle Welten zusammenzubringen. Bislang nicht immer erfolgreich, sieht man sich die gescheiterten Virtual-Reality-Brillen an. Die Oculus Rift oder Morheus zeigen gerade: Da geht was. Oder auch reales Spielzeug wie die Skylanders, die ein virtuelles Universum mitbringen. Ist derzeit eine Art Wendepunkt für die beiden erwähnten Dinge?

Eric Hirshberg: Ich bin nicht sicher, ob ich die Verbindung zwischen Oculus Rift, Morpheus und Skylanders sehe…

Es geht bei beiden darum, Welten zusammenzubringen: die virtuelle mit der realen Welt.

Eric Hirshberg: Ich denke, Innovation ist Innovation, sie ist nicht immer durch Technologie inspiriert. Skylanders wird allenthalben als etwas technologisch ganz Neues gesehen, tatsächlich benutzt es bereits bekannte Technologie, nur eben in sehr cleverer und neuartiger Weise. Aber die Idee startete als reines Konzept und wir fanden einfach raus, wie man das am besten hinkriegt – die ersten Versionen kamen ja schon für die heute ältere Reihe der Konsolen. Auf der anderen Seite kann neue Hardware mit neuen Möglichkeiten natürlich auch Innovationen inspirieren. Man wird sehen, was Oculus Rift und Morpheus in Sachen Software am Ende liefern.

Du denkst, dass die Spiele-Industrie sehr stark Techologie-getrieben agiert, ist nur die halbe Wahrheit?

Eric Hirshberg: Ich denke, die Spiele-Industrie reift dahingehend, das Bahnbrechendes mehr und mehr aus Konzepten entsteht und Ideen innerhalb von Spielen. Die Rechenkraft von Konsolen ist natürlich toll und führt auch dazu, dass die Grafik besser aussieht und die Spiel-Mechanik eleganter ist, aber wir sind nicht mehr länger an dem Punkt, wo es seismische Veränderungen bei der Hardware gibt. Ich denke, wie andere Unterhaltungsindustrien reifen wir zu dem Punkt, wo man gute Inhalte erschaffen muss. Das inspiriert Menschen am ehsten!

Noch immer gibt es allerdings ein Verständnisproblem, was Spiele angeht, vor allem abseits der Fachmedien…

Eric Hirshberg (lacht): Da stimme ich zu!

Wünschst Du dir gelegentlich, dass Spiele in anderen Medien einfach auch wie Filme oder Serien besprochen werden?

Eric Hirshberg: Kultur tendiert dazu, dem Publikum zu folgen und Spiele sind Unterhaltung, die Massen anziehen. Diese Abkoppelung, die Du ansprichst, in der Spiele in den Medien oft besprochen oder gesehen werden, ist eine Generationen-Abkopplung. Es gibt noch immer auch viele Leute, die nicht mit Spielen aufgewachsen sind. Das Medium ist neu. Ich erinnere Leute immer gerne daran, dass wenn dies die Filmindustrie wäre, immer noch Stummfilme vorherrschten. So jung ist die ganze Industrie noch! Wann immer ein neues Unterhaltungsmedium zur Jugendkultur wird… man muss nur zurückschauen: Leute, die nicht mit etwas aufwuchsen, sei es Rock’n Roll, Musik oder Fernsehen, tendieren dazu, das nicht unbedingt willkommen zu heißen. Ich denke, dass die Zeit das lösen wird, Spiele sind hier um zu bleiben. Sie sind ja bereits Massenmedium und Mainstream bis zu dem Punkt, wo sie das Medium der Wahl sind für eine ganze Generation und diverse Folge-Generationen. Ich denke, Spiele wie Destiny oder Call of Duty werden sich ihren Platz und den Respekt in der Popkultur erarbeiten, weil das Publikum Teil davon sein möchte.

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