Zuletzt ist mir das nach dem Besuch des Films Pan’s Labyrinth so richtig bewusst geworden. Ich bin aus diesem sehr berührenden Film gekommen und musste mich erstmal schütteln: Niemals, da war ich mit in diesem Moment absolut sicher, wird ein Spiel eine so intensive Wirkung haben, wie ein Film. Ich hätte nicht sofort sauber erklären können, warum das so ist. Außer das man auf einer Kinoleinwand mit hervorragenden Schauspielern, gigantischen Bildern und Sound völlig überrollt wird. Dafür hat jetzt hat das britische Board of Film Classification eine Studie veröffentlich.

Das BBFC ist britische Gegenstück zur deutschen FSK. In der Studie wurde untersucht, wer Videospiele spielt, welchen Einfluss sie haben und wie Gewalt im Spiel eigentlich von den Spielern gesehen wird.

Wichtigstes Ergebniss: Die emotionale Beeinflussung bei Filmen sei höher, als bei Spielen. Was unter anderem daran liege, das Gegner oder Protagonisten im Spiel keine Persönlichkeit haben, nicht echt aussehen und so auch ihre Ausschaltung nicht echt ist und wirkt. Spieler seien sich sehr wohl bewusst, dass sie spielen und man es nicht mit der Realität zu tun hat. Zwar würden Spieler auf nicht spielende Menschen oft völlig entrückt wirken, aber tatsächlich seien sie weniger vereinahmt, als Kinogänger. Das liege vor allem daran, dass sie sich auf den Spiel-Fortgang konzentrieren müssen, auf das Weiterkommen. Wo gehts lang, wo muss ich klicken, wie komme ich über die Schlucht dort vorne: Es gibt immer etwas zu tun.
Bei Spielen sei aktive Teilnahme gefordert und die Belohnung für die Spieler besteht in dem Gefühl, etwas erreicht zu haben. Was natürlich bei Filmen nicht der Fall sein kann. Spiele sind wohl einfach besser darin, Action zu entwickeln, als glaubwürdige Charaktere. Emotionen lösen Filme weitaus besser aus, als Spiele. Ich persönlich denke, dass wird auch immer so bleiben. Wir haben es einfach mit zwei Medien zu tun, die zwar beide der Unterhaltung dienen, aber trotzdem mit unterschiedlichen Mitteln arbeiten (müssen). Es gibt viele Gemeinsamkeiten und Parallelen, aber sind nicht gleich. Im positiven und negativen Sinne.
Radikal ausgedrückt: „Eine Geschichte im Spiel ist wie eine Geschichte im Porno“. Dieses Zitat wird dem Videospiel-Programmierer John Carmack zugeschrieben. Das mag nun ein bisschen hart formuliert sein, denn es gibt schon gute Geschichten in Spielen. Aber im Kern ist das sicher nicht verkehrt.

Um zur Studie zurückzukommen: Laut BBFC-Erkenntnissen ist Gewalt durchaus auch bei Spielern ein Thema. Eine Erkenntnis, die die meisten Spieler vielleicht eher die Augen rollen lässt. In den vielen guten Blogs zum Thema Spiele wird ziemlich viel diskutiert. Wobei ich finde, dass nach außen hin die offene Diskussion noch mehr stattfinden kann oder qualitativ anders laufen könnte. Klar kann man sich, zu Recht, in Foren von Magazinen echauffieren, wenn die einen fürchterlich tendenziösen Beitrag machen. Aber allzu oft ist doch Schweigen im Walde, wenn es um eine fundierte Diskussion geht. Die BBFC-Studie sagt aber auch, dass es Spieler sehr wohl beunruhigt, wenn in Spielen Boshaftigkeit siegt. Aber Gewalt in TV oder auf der Kinoleinwand empfinden viele als wesentlich unangenehmer.
Das jüngere Spieler trotzdem gerne Titel spielen wollen, für die sie zu jung sind, läge laut befragten Spielern vor allem an Mund-zu-Mund-Propaganda. Eigentlich eine Binsenweisheit. Das ist schließlich bei den meisten Dingen so.

Das ist natürlich alles kein Grund, als Spieler zu schreien, juchu, Filme sind viel schlimmer. Über Spiele-Inhalte muss man auch diskutieren dürfen. Aber es rückt doch einige häufig zu hörende, in meinen Augen teilweise völlig absurde, Thesen etwas gerade.

Die Studie kann man vom BBFC bekommen, auf ihrer Seite scheint sie aber nicht frei downloadbar zu sein. Zumindest gestern war sie dort nicht mehr zu finden.
Eine Zusammenfassung lässt sich bei Golem nachlesen.

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