Kinect Adventures_Screenshot

Uff, so wenig gebloggt oder getwittert habe ich wohl selten, von einem Spiele-Event. Irgendwie kam ich diesmal nicht wirklich dazu. Ich habe unsere Sendung von der Gamescom als Ablauf-Redakteur betreut. Heißt: Themen und Orga planen und eben den Ablauf vor Ort koordinieren. Natürlich nicht alleine, da gibts zum Glück noch einige Hände und Köpfe, die helfen. Trotzdem ist man da einige Tage unter Höchstspannung. So richtig viel Zeit und Luft bleibt nicht, sich zum Beispiel einmal quer durch die Gamescomhallen zu zocken. Aber das geht auch dem ein oder anderen Kollegen so.

Trotzdem habe ich ein paar Spiele ansehen können – lustigerweise (Zufall, ehrlich!) vor allem von Microsoft. Deren „Playday“ fand am Dienstag statt, wie auch einige andere PKs wo Kollegen die Stellung gehalten haben. Microsoft hat diesmal dankenswerterweise darauf verzichtet, langatmige Vorträge zu halten, wo neben einem Trailer-Gewitter noch das Hohelied der Quartalszahlen gesungen wird. Stattdessen: Die Vulkanhalle voll mit dem Aufgebot von Kinectspielen, Xbox-Titeln, PC-Spielen und Spielen für Windows Phone 7. Kurz gesagt: ich habe Jens Lehmann gesehen und „Your Shape: Fitness Evolved“ ausprobiert.

Letzteres ist allerdings nicht unbedingt DAS Kinect-Highlight. Sage ich jetzt mal unter Vorbehalt, denn ein intensiver Test kann natürlich einen völlig anderen Eindruck ergeben. Im Grunde ist Fitness Evolved eine durchaus ernstzunehmende Fitness-Software. Aber wo Wii Fit mit einem gewissen Charme punktet („Steigen Sie bitte jetzt auf mich drauf“) ist Fitness Evolved bierernst. Ich wage übrigens zu bezweifeln, dass es eine gute Idee ist, auch sämtliche Menüsteuerung via Kinect zu regeln. Da wurde ja verschiedentlich als große Stärke von Kinect beschrieben, dass man eben auch die Dashboard-Steuerung per Gestensteuerung bedienen können. Ehrlich gesagt: Wenns darum geht, einen Menüpunkt auszuwählen, drücke ich lieber fix einen Knopf, als die Hand zu heben. Bei Kinect muss ich dafür nämlich länger auf einem Punkt in der Luft verweilen, damit die Steuerung weiß, man ist nicht nur zufällig hier vorbei gewedelt. Bei dem Fitness-Spiel hat sich das genauso angefühlt: Man hält ca. 5 Sekunden lang die Hand auf einen Menüpunkt. Und ich war, bis ich mich dran gewöhnt hatte, anfangs immer zu schnell weg und dann passiert natürlich nichts. Gewohnheit, sicherlich, aber wie gesagt: Da drücke ich lieber einen Knopf.
Lieber ausprobiert hätte ich Kinect Adventures, aus dem auch der obige Screenshot stammt, aber das zählte zu den schwer umlagerten Spielen.

Fable3_gamescom_04

Mittwoch war dann der Pressetag, wo ich mir schon mal einen Überblick über Moderationsorte verschaffen konnte und mal kurz bei Fable3 vorbeigeschaut habe. Ersteindruck: Noch etwas humoriger als der letzte Teil, ziemlich gut zu steuern (das war im letzten Spiel manchmal etwas schwammig) und mit einigen unterhaltsamen Quests. Und mit Hühnern. Ich weiß nicht, wer bei Lionhead einen Hühnertick hat, aber das Federvieh scheint eine Art Running Gag im Spiel zu sein. Ich empfehle unbedingt den Trailer anzusehen. Es gibt einen witzigen Quest wo man, mit einem (kleidsamen) Hühnerkostüm angetan, entlaufene Hühner zurückbringen muss. Hat man das erledigt, muss man einen Streit zwischen dem Ehepaar der Hühnerfarm entscheiden. ER fürchtet die Hühner als rebellisches Pack, SIE will ihnen mehr Freiheit geben. Klar das ich mich für Freiheit für die Hühner eingesetzt habe. Bei der Stage Demo des Spiels wurde natürlich das Publikum gefragt. Wenn man einen durchschnittlichen 17-Jährigen fragt, ob die Hühner einen Kopf kürzer gemacht oder in die Freiheit entlassen werden sollen, kann man sich die Antwort allerdings ausrechnen. Wie es endet, wenn man sich für die radikalere Position entscheidet, ist ziemlich lustig. Wäre aber hier ein übler Spoiler – wird also gestrichen 😉

Was ich dieses Jahr auf der Gamescom ziemlich gelungen fand, war GamesCompetence-Bereich. Bisher waren diese Elemente immer etwas traurig anzusehen, wenn man aus den Hallen der großen und kleinen Publisher kam. Dieser Jahr sah das ganz schick aus, aus einem Guss designed, hell und offen. Unter anderem war die Initiative „Spielen verbindet“ hier präsent, aber auch die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), das Jugendforum NRW und diverse andere Medienfachstellen, Institute und Vereine. In irgendeiner Halle bin ich über einen Piratenstand gestolpert, sich sich wohl gegen gewisse Widerstände einen Platz auf der Messe erkämpft hat. Deren Blick auf die Gamescom könnt ihr hier nachlesen.

Außerdem lesenswert: Dieser Artikel in der Frankfurter Rundschau. Zitat:

Es ist ein alter Reflex, der in Deutschland beim Thema Computerspiele einsetzt, besonders im bildungsbürgerlichen Diskurs. Derselbe Reflex setzt bei vielen Medien, Pädagogen und Politikern ein, wenn sie derzeit nach Köln blicken. Da lädt noch bis Sonntag die Computerspiele-Branche zur Leistungsschau „Gamescom“ – und meldet Fakten, die die Bedenkenträger alarmieren.

Ich finde es bisweilen auch etwas anstrengend, wenn immer auch verlangt wird, dass man über Spielsucht und Gewaltdarstellung reden MUSS, wenn es um Spiele geht. Wohlgemerkt: Natürlich sind das Themen über die man reden darf und soll. Nur wird ja auch nicht in jedem Beitrag zu, sagen wir mal, neuen Weinanbau-Methoden auch über Alkoholismus geredet. Eine alte Diskussion, die wir natürlich auch in der Redaktion führen. Wir fragen uns häufig, wo wir vielleicht kritischer sein müssten, was wir von Spielen zeigen, wo es nicht nur Niedlichkeiten zu sehen gibt, etc pp. In diesem Zusammenhang sehenswert, ist, was die Jungs von Gameone mal zu der Modern Warfare-Diskussion beigetragen haben. Sie haben – wie viele Spiele-Redaktionen – über das Thema diskutiert. Spannenderweise hat die Gameone-Redaktion die Zuschauer daran teilhaben lassen. Angucken!

Spieleveteran Anatol Locker war übrigens für heute.de vor Ort und schreibt hier.

Soweit mein schnell runtergetippter Gamescom-Nachtrag. Wart ihr da? Gabs Highlights für euch? Raus damit und rein in die Kommentare!

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Uff… Gamescom-Nachtrag
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