Mein Hirsch

Wie wärs mal mit einem ziemlich abseitigen, aber charmanten Spielidee? Bitte sehr: Hier kommt The Endless Forest!

The Endless Forest ist eine Art Onlinespiel, geschaffen von einem Künstlerpaar aus Belgien: Auriea Harvey & Michaël Samyn. Die beiden nennen es einen gesellschaftsorientierten Bildschirmschoner, einen virtueller Ort an dem du mit Freunden spielen kannst. Es funktioniert auch technisch wie ein Bildschirmschoner. Wird selbiger aktiv, erscheint der Spieler als Hirsch an einem magischen Ort, einem idyllischen Wald. Und dann werden alle Spielregeln auf den Kopf gestellt. Denn es gibt kein erreichbares Spiel-Ziel, keine festgelegten Regeln. Stattdessen wird gewünscht, dass man seinen Hirsch einfach durch den Wald laufen und schaut, was so passiert. Und tut, was Hirsche so tun: Bocksprünge machen, sich hinlegen, an bäumen schubbern und – röhren. Man beginnt zunächst als Rehkitz in einem sehr romatischen Wald voller Blumen und Farnen. Noch befindet sich das gamnze in der Beta-Phase, nach und nach sollen auch noch gegenden hinzukommen.

Das ganze ist ein nicht-kommerzielles Kunstprojekt, das gefördert wird. Was die Autoren selbst dazu sagen?

Wir hassen Computerspiele nicht wirklich. Wir verbringen eine Menge Zeit mit ihnen. Es gibt Vieles, was wir an Spielen gut finden. Doch leider gibt es auch Vieles, was wir daran nicht mögen. Interaktive Medien und besonders Echtzeit-3D-Technologien bieten so viel mehr, als nur die kindischen Spiele, die heutzutage die breite Masse von Spielen ausmachen. The Endless Forest ist unser Versuch, mit diesen Techniken etwas herzustellen, was frei ist von gerade den Spiel-Eigenschaften, die wir nicht mögen.
The Endless Forest ist vermutlich einer der ersten Schritte zu einem „jeu d’auteur“, einer dringend benötigten Weiterentwicklung von Spielen, um als Medium künstlerischer Ausdruckskraft, wie z.B. auch Kino und Literatur, dienen zu können. Bisher waren Spiele hauptsächlich Konsumgüter, mit wenig oder überhaupt keinem künsterlischem Wert. Zur Zeit ist es sogar eher eine Tendenz, dass Spiele-Designer sich hinter diesem Konsum ausgerichteten Denken verstecken, um hierdurch sowohl ihre künsterlerische, als auch ihre ethische Verantwortung als Autoren vernachlässigen zu können.

Das ist ein hehrer Anspruch, der möglicherweise nicht jedem gefallen wird, denn herkömmlichen Online-Spiele wie vor allem Ego-Shootern stehen die beiden belgischen Künstler kritisch bis ablehnend gegenüber. Trotzdem ist das Spiel ein ziemlich feines Kunstprojekt, in das es sich lohnt, mal reinzuschnuppern. Nicht nur, wenn man zufällig Hirsch mit Nachnamen heißt 😉

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