Bei Irgendetwas hänge ich ja immer hinterher. Bei Berufen und sonstigen Fähigkeiten zum Beispiel. Das führt meistens dazu, dass ich als (mehr oder weniger) furchteinflößender Todesritter Friedensblumen im idyllischen Wald von Elwynn pflücke: Nachsitzen in Kräuterkunde. Oder als (räusper) todbringender Magier wehrlose Felshetzter niederbrutzle: Nachsitzen im Kochkurs. Geht doch nichts über „heiße Hetzer“… Das ist zwar eine vergleichsweise ungefährliche Tätigkeit – für mich jedenfalls. Aber auch sehr, sehr langweilig. Gleichzeitig ist es aber auch Stoff für einen neuen Tagebucheintrag…

Meine kleingewachsene Schurkin Schlompf ist mittlerweile Level 66. Was die schurkeneigene Fähigkeit des Schlossknackens betrifft, bin ich bei 266 Fertigkeitspunkten. Das ist so in etwa der Knacklevel für ein Dixi-Klo. In der Scherbenwelt, wo ich derzeit an höheren Aufgaben queste, mopse ich jedem die Taschen leer, ob Ork oder Vogelmensch. Die Kisten, die ich dabei einsacke, füllen mein Handgepäck und verstopfen meine Bankfächer – ich fühle mich schon wie eine Spedition. Das Dumme ist: Die Sorte die ich dabei einsammle, bekommt man erst mit der Fertigkeitsstufe 300 auf. Die Fertigkeit Schlossknacken trainiert sich aber noch ermüdender und hürdenreicher, als eigentlich alle Fertigkeiten. Die Kisten zum Üben finden sich bei jedem fünften Gegner, den man beklaut. In größeren Mengen befinden sie sich in den Ecken, die am unattraktivsten und verkehrstechnisch am schlechtesten angebunden sind. Unter Wasser in Desolace. Auf einem voll besetzten Piratenboot in der Mast- und Schotbucht. In den Steinbrüchen der Sengenden Schlucht. Genau dort bin ich gestern geschlagene eineinhalb Stunden herumgeschlichen.

Eigentlich bin ich da nur zufällig gelandet. Mein Googeln nach einem Schlossknacker-Guide führte zu einem Forumseintrag, der auf die Blackrock-Tiefen verwies. Die drei Türen linker Hand seien top. Drei. Türen. 3???!! Ja Wahnsinn, da bin ich ja schon in etwa 300 Jahren soweit, mein Speditionslager auf der Bank knacken zu können! Völlig frustriert schlage ich einige Dunkeleisenzwerge im Kessel der Sengenden Schlucht nieder und raube sie aus. Die haben zum Glück einige Kisten dabei, die mir noch Fertigkeiten-Punkte bringen. Es gibt ja verschiedene Kisten-Klassen, unterscheidbar lediglich durch ein Adjektiv: Zerbeult, modrig, stark, bemalt, beklebt, verdreckt. Na gut, der Großteil davon stimmt nicht, aber ich kann mir das auch nicht merken. Ist Gegenstandsbezeichnungserfinder eigentlich schon eine eigenständige Berufsgruppe im Bereich der Onlinerollenspiele? Gar mit gewerkschaftlicher Organisation? Vereinte Dienstleistungsgegenstandsbezeichnungserfinder Gewerkschaft… Aber ich schweife ab.

Ich schleiche also zwischen Dunkeleisenzwergen herum: Unsichtbar machen, niederschlagen, ausrauben. Unsichtbar machen, niederschlagen… arg! Nebenbei fällt mir auf: Hier gibts ja Kisten! Zum Knacken! Davon habe ich im Guide nichts gelesen. Also schleiche ich mit neuer Hoffnung weiter, schlage nervige Zwerge nieder und suche nach Kisten. Die sind mit ausgesuchter Mühe unauffällig gestaltet worden. Sie fallen in Etwa so gut ins Auge wie Pyrosoma atlanticum. Das sind übrigens halb-transparente, wurstförmige Meereslebewesen in Daumengröße. Die Kisten sind etwas größer als daumengroß, dafür aber in mattgrau auf steingrau genauso gut sichtbar.

Von 266 bis 300 sind es gefühlte 3000 Kisten. Gegen 22:45 ist es soweit. Dafür habe ich die gesamte anwesende Dunkeleisenzwerg-Belegschaft mehrfach niedergeschlagen und jede Kiste dreifach geöffnet.

Immerhin: Mein Speditionslager aus starken Plunderkisten ist inzwischen aufgelöst. Wenn ich noch einmal das Schlossknack-Geräusch höre, schreie ich…

WoW-Diary, Teil 80: Auf Diebestour
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Und jetzt ihr!