WoW Valli fliegt

Im WoW-Tagebuch ist es ruhig geworden. Weil irgendwie viel Routine und Alltag ist, in Azeroth. Nicht alles, dass es Gewerkschaften für Charakter-Klassen gäbe. Oder Parteien. Demokratische Wahlen! Und seid man professionelle Matchmaking-Tools hat, erübrigt sich fast auch jegliche Kommunikation. In solchermaßen zustande gekommenen Raids setzt kaum mal jemand Symbole, welcher schuppige, haarige oder grobschlächtige Aggressor zuerst verwamst werde sollte. Auch Equpiment ist längst nicht mehr so entscheidend, wenn auch nicht unwichtig. Kurz: Man kann auch überleben, wenn man nebenbei Tee trinkt, im Teamspeak schwätzt, am Laptop chattet und kurze Worte bei WordOn auf dem iPhone legt. Wie ein Kollege kürzlich bemerkte: Ihr habt einen ganz schön teuren Chat-Client…

Entsprechend spielen Kungpao und ich (na gut, vor allem ich) gelegentlich etwas unkonzentriert. Wie gesagt: Üblicherweise überlebt man mit ein paar Dellen. Und eine Gruppe schafft eine Runde im Versunkenen Tempel auch mit dreiviertel Einsatz. Neulich mal wieder: Wir prügeln uns durch übergewichtige Drachen und Drachkins und landen vor Jammal’an, dem aktuelle Anführer der Atal’ai, der radikalen Priestersekte, die Hakkar fanatisch verehrt. Wenn es in Azeroth eine freie Presse gäbe, würde man sicher von ihnen lesen. Wer die Passage kennt, weiß, dass es an dieser Stelle etwas unübersichtlich werden kann. Da rennen Geister durch die Gegend, die partout nicht stillhalten, wen man sie vermöbeln will. Dann der Leibwächter vom Oberpriester, der entzückende Ogom der Elende und gefühlt 1200 andere Sektenanhänger.
Ich schlürfe Tee, halte ein TS-Schwätzchen und alsbald sind Jammal’an und seine Bande dahin. Kurz gesagt.

Danach setzt, selten genug geworden, einiges an Kommunikation im Chatfenster ein. Ich sehe Stats und Schadensanzeigen. Und lese Gemecker über meine Performance. Zitat: „Bei dem Equip muss mehr gehen!“ Oha, die meinen tatsächlich mich. Bruchteile von Sekunden später finde ich mich in irgendeinem Wald wieder. Huch? Kungpao vermeldet etwas schuldbewusst via TS: „Ich hab‘ dagegen gestimmt!“ Die haben mich also tatsächlich rausgevoted. Offensichtlich muss das Abstimmungsergebnis nicht einstimmig sein. Elende Bande! Kungpao kündigt danach aus Solidarität ebenfalls die Zusammenarbeit und wir starten eine neue Runde. So! Ihr seid ersetzbar! Ich konzentriere mich in der folgenden Schlägerei dann doch ein bisschen mehr auf solide Roundhouse-Kicks und epische Pandabärentatzenhiebe.

Tatsächlich hat sich das raiden enorm verändert. Zu Beginn musste man sich eine Gruppe selbst suchen. das konnte dauern und man musste auf Marktplätzen rumschreien. Dann mussten alle anreisen, was auch wieder dauern konnte. Mal ganz abgesehen von, äh, mittelmäßigen Orientierungskünsten mancher Spieler. Es gab „damals“ tatsächlich einen (oder vermutlich mehrere) WoW-Routenplaner, die gefahrlose und schnelle Routen, plus die Kosten dafür ausspuckten. Ja, wir hatten nichts damals, aber eine Menge Spaß. Allerdings: Diese Art des Spielens war so elend aufwendig, dass WoW wohl heute nicht mehr existent wäre, würde das immer noch so laufen.

Deswegen sollte man natürlich mit Gejammere nach der guten alten Zeit vorsichtig sein. Trotzdem: Wir hatten einen Riesen-Spaß. Und gelegentlich haben wir ihn immer noch.

WoW-Diary, Teil 86: Rausschmiss
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2 Gedanken zu „WoW-Diary, Teil 86: Rausschmiss

  • September 1, 2013 um 1:23 pm
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    Valli, ich bin beeindruckt von dir! Nicht davon, wie gut du das alles meisterst *höhö* Sondern, dass du dich die ganzen Sachen traust und auch in Dungeon gehst, wobei deine Spielkunst ja ziemlich…naja….du weißt schon 🙂 Mach weiter so, vielleicht wird das mit dem Skill noch was? 🙂 Auf welchem Server spielst du denn?

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Und jetzt ihr!