Die Autorin Ulrike Draesner in der 3sat Kulturzeit, antwortete auf die Frage, ob der Roman für die heutige Jugend noch ein Kompass sei:

„Ich glaube das ist ein alter Traum von Autoren. Als Autorin würde ich natürlich sehr gern sagen, ja, wie könnte es anders sein. Aber leider habe ich den Verdacht, dass das eine schöne Illusion wäre. Wenn ich mir ansehe, wie auch selbst ich mich verhalte, ohne das ich zu dieser Jugend gehörte und beobachte, wie das in anderen Generationen noch mal sehr viel stärker ist: Nämlich man bedient und benutzt verschiedenste Kanäle und das heißt auch die Literatur, wenn sie denn überhaupt vorkommt, spielt einfach eine Rolle in einem Segment.
Ich beobachte etwas sehr Interessantes, nämlich die Entwicklung der Computerspiele, die ja einfach technisch so rasant ist, das Momente, die wir als Literaten eigentlich trennen würden, nämlich das was ich in dem Roman habe und das, was ich im Theater erleben kann, also Katharsis, mitgerissen werden, unmittelbare Identifikation – die kommen mehr und mehr in diesen Computerspielen zusammen. Ich spiele mit, die haben oft literarische Vorlagen, da entstehen ganz neue Misch-Genres, die verbrauchen Zeit und übernehmen auch ein stückweit genuine literarischer Kompassfunktionen.“

Der Interview-Ausschnitt ist schon einige Monate alt, er entstammt einem Interview im Vorfeld der letzten Frankfurter Buchmesse. Eine Kollegin wies mich aber darauf hin und ich finde es ganz spannend. Gerade im Zusammenhang mit meinem Blogpost vom Mittwoch, denn diese Dame lebt ganz offensichtlich nicht in einem Vakuum.

Ihr antwortet der bekannte Literatur-Kritiker Denis Scheck, der schon fast rührend den Roman als im Grunde einzig denkbaren Kompass preist. Ich möchte da gerne in die Mitte grätschen: Gelesen wird immer noch, auch „die Jugend“ tut das. Das legen die Erfolge der Roman-Serien wie Twilight- und The Hunger Games nahe. Egal, wie man diese beiden literarisch bewertet, ich nenne da einfach mal spontan zwei sehr erfolgreiche. Auch die Zahlen aus dem Trendbericht Kinder- und Jugendbuch 2014 lassen den Schluss zu: Das Roman-Ding läuft jetzt nicht sooo schlecht.
Andererseits hat Frau Draesner durchaus recht, wenn sie sagt, dass sich heute eben viele Medienformen die Aufmerksamkeit teilen.

Also: Lest! Spielt! Guckt! Und denkt selbst 🙂

Katharsis im Spiel
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