Einstein

Es ist ja so: im echten Leben dauert alles länger. Ich habe beispielsweise ein Mount aus Fleisch und Blut zu versorgen. Es heisst Einstein und ist selbstredend episch und einzigartig. Nun kann man RL-Mounts ärgerlicherweise nicht aus dem Rucksack beschwören. Nee, die haben Vormittags auf der Koppel gestanden und sich da ordentlich eingesaut. Man muss also erst mal Staub & Schlamm entfernen. Und dann all das Equpiment! Putzzeug vor die Box schleppen, Handtuch zum nachpolieren, Trense, Sattel, Bandagen für die kostbaren Dresurpferd-Beine, etc pp. Das ist eine epische Tätigkeit. Episch, weil sie lange dauert. In der Spieleindustrie werden Games ja gerne mit dem Zusatz „episch“ beworben. Und das heisst bekanntlich einfach, man muss sein Sozialleben darauf einstellen, dass man täglich 5 Stunden lang spielt.

Ich schweife mal wieder ab. Jedenfalls muss ich meine Spielzeit genau einteilen und vor allem mit den Mitspielern absprechen. Die wiederum eigene Hobbys und Zweit-Leben koordinieren müssen.
Ich darf an dieser Stelle die Nachtelfen-Jägerin Shirah zitieren, im echten Leben männlich und Motorradfahrer:

Jaja, das mit dem einsauen kenn ich auch von meinem Mopped her , kaum biste eine Runde gefahren, ist die Mühle von oben bis unten mit Mückeviehzeug überzogen und die geben net mal EP, egal wie viel drauf bappen. Das is das schöne bei WoW, selbst nach nem Kampf mit dem sabbernden Endboss musst du net mal deine blutige Plattenrüstung reinigen.

Genau!

Und dann dauert das mit der Weltherrschaft natürlich auch deshalb sehr, sehr lange, weil Blizzard alles daran setzt, mich davon abzuhalten. Dazu wurden ausgefeilte Maßnahmen ergriffen. Zum einen ist Equipment bekanntlich alles im Spiel. Nun war ich mit Gnomen-Magierin Nusspli zum ersten Mal im Echsenkessel mit dem Schwierigkeitsgrad heroisch. Abgesehen davon, dass Nusspli ihr Leben sowieso unter dem Motto „heroisch“ lebt, fand ich: Wenn ich nicht gewusst hätte, das ist jetzt heroisch, dann wäre ich davon ausgegangen, wie haben heute einen schlechten Tag.
Immerhin bekommt man ja pro Endgegner diese Ehrenmarken. Und die seien echt was wert, wollen mir meine Mitspieler weismachen. Großartige Dinge für aufstrebende Magier könne man bekommen, beispielsweise den verzierten Hexendoktorstab. Der wird mir gleich mal gepostet und ich mache die Anprobe. Grundgütiger, das Ding sieht aus wie ein knorziger Stock mit einem toten Meerschweinchen an der Spitze! Naja, hat unfassbare Werte und wird mich der Weltherrschaft ein gutes Stück näher bringen. Dann teilt man mir mit, wie viele Marken ich dafür brauche. Ein kurzes Überschlagen bringt das frustrierendes Ergebnis. Zeit und Aufwand erinnern mich irgendwie an mein Losbuden-Trauma. Auf Kirmes-Festivitäten hatte man bei den Losbuden immer die dicksten Gewinne direkt vor der Nase, kaufte 200 Lose für unfassbar hart erspartes Taschengeld und bekam… ein Geduldsspiel. So eins aus Plastik, wo man winzige Kugeln in winzige Löcher kullern musste. Zum letzen Mal, Welt, ich habe keine Geduld und ich werde auch nie welche haben!

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Grmpfgerlarghu!!!

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Trotz allem Ungemach: auch heute wieder wird sich Nusspli die Turmfrisur einrennen oder Valli die Plattenrüstung zerdellern. Oder wird Schurkin Schlompf zum Einsatz kommen? Mal sehen, dass überlege ich mir, während ich dem RL-Epic Mount den Koppelschlamm aus den langen Ohren pule…

Tagebucheintrag anhören:

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WoW-Diary, 56: Weltherrschaftsplaene…
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4 Gedanken zu „WoW-Diary, 56: Weltherrschaftsplaene…

  • September 21, 2008 um 6:18 pm
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    Zuerst fand ich es ja eine gute Nachricht, dass noch jemand ein Tagebuch von seinen Abenteuern erstellt. Aber anscheinend scheint hier jemand wohl zu viel Schokolade genascht zu haben. Das mit der Weltherrschaft war hoffentlich nur Wichtigtuerei, oder? Ansonsten müsste ich leider einen kleinen Höflichkeitsbesuch abstatten. Es wäre doch schade, wenn die schönen Geschichten ein so schreckliches Ende nähmen. 🙂

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  • September 22, 2008 um 1:35 pm
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    Wieso Wichtigtuerei? Wenn ich erst mal die Weltherrschaft errungen habe, wird die (Online-)Welt viel besser! Dispo-Kredite, auch für Orks, lauwarmes Met ab 17 Uhr in jeder Taverne frei, Leasing für Epic Mounts, usw und so fort.

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  • September 22, 2008 um 1:58 pm
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    Ich hatte mal gehört, dass Gnome mit Geld umgehen könnten, aber Dispokredite für Orks.. Die können definitiv nicht mit Geld umgehen. Die würden zwar lauwarmes Bier trinken und da sie vor 17 Uhr ohnehin nicht in die Taverne kommen, bräuchen sie auch kein Geld mehr.

    Mir schwebt da eher eine dunklere Version der neuen Welt vor: Versklavung aller Aufrührer, Zwangsarbeit, regelmäßige dunkle Rituale. Das übliche eben. Das hat sich immer bewährt. Ich habe da bereits ein paar ausgefeiltere Pläne für die Umgestaltung der Landschaft. Es müssten einige Sümpfe trockengelegt werden und Tunnel gegraben werden.

    Wäre das nicht viel besser?

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  • September 22, 2008 um 4:01 pm
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    Du hast da wirklich interessante Ideen für neue Infrastrukturen und eine neugestaltete Exekutive 😉

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Und jetzt ihr!