Ein Schwert, ein Schild, ein Krieger

Im offiziellen WoW-Magazin standen gerade einige Tipps, von denen ich dachte, sie bringen mich als aufstrebenden Krieger weiter. Zunächst mal fühlte ich mich besser, denn, ich zitiere: „Es ist nicht leicht, bei mehreren Mobs Aggro zu halten, vor allem, weil DDs oft zurückschlagen, wenn sie getroffen werden. Dadurch sterben sie oft zum unpassendsten Zeitpunkt. Das ist normal! Akzeptiere es und reg dich nicht auf, wenn der Boden von toten Team-Mitgliedern übersät ist

Ja, ich reg‘ mich ja gar nicht auf, aber die anderen!

Inspiriert von erwähntem Artikel habe ich mir mal wieder meinen Ur-Charakter Valli vorgenommen. Ur- deswegen, weil mein allerersten WoW-Charakter bereits eine Kriegerin war. Vor allem, weil ich schlicht nicht wusste, wie ich als Druide, Magier oder Priester überleben sollte. Schlussendlich wusste ich das auch als Krieger schnell nicht mehr, aber zumindest schien auf der Hand zu liegen, was man mit Schwert und Schild anzufangen hat. Das sich ein Magier sehr viel leicht spielt, hat mir dann lustigerweise ein EVE Online-Entwickler erklärt. Bis dato hatte ich meist versucht, mit Magierin Nusspli alle Klippeneber die mich beim querfeldeinlatschen störten, im Nahkampf mit dem Zauberstab nieder zu knüppeln. Die Taktik meiner Kriegerin hieß also im Wesentlichen: Hau drauf. Selbstredend ging die Taktik in Dungeons nicht wirklich auf…

Irgendwann musste ich einsehen, dass ich als Main-Tank eine echte Stressrolle hatte. Der erste Blackrock-Raid mit 10 Mann war recht anstrengend. Für alle Beteiligten. Bis die erste Erweiterung kam, hatte ich aber immerhin genügend Zeit, diese Rolle zu üben.
Dann kam irgendwann die erste und inzwischen schon die zweite Erweiterung. Meine Kriegerin Valli hochzuleveln dauerte wesentlich länger, als die Magierin Nusspli. Entsprechend hatte ich bisher noch nicht wirklich Zeit, mich als Def-Krieger einzurichten- und zu -spielen. Irgendwann gabs dann die Möglichkeit, zwei Talent-Bäume gleichzeitig zu nutzen. Also habe ich primär offensiv gelevelt und in Dungeons vor allem Nusspli gespielt.

Als dann Valli mal wieder mit einem Dungeon-Besuch dran war, habe ich aus alter Gewohnheit auf Schutz geklickt. Das Ergebnis war ein kurzer, schmerzhafter Ausflug in die Hallen der Blitze. Blitzartiger Wipe. Seitdem machen meine Mitspieler entweder blöde Witze: Wer tankt? Valli! Kollektives Gelächter… Oder erwähnen mindestens dreimal, ich solle bitte auf „Schaden“ klicken, wenn es an die Rollenverteilung geht. Diese Wahl bedeutet nämlich in meinem Fall, Schaden von allen anderen abzuwenden.

Der Tipp aus dem WoW-Magazin: Baut eure Rotation auf den besten Bedrohungs-Fähigkeiten auf. Aus gewohnheitsmäßiger Faulheit dachte ich, ich suche mir einfach eine sauber erklärte Rotation aus dem Netz. Was allerdings bei Magierin Nusspli super geklappt hat, war bei Kriegerin Valli nicht so eindeutig. Jeder erzählt etwas anderes. Der Magazin-Artikel wies zudem auf einen Wert hin, den ich bisher noch nie wirklich beachtet hatte, nämlich Waffenkunde. 26 Waffenkundewertung brauche man laut diversen Theoretikern. Ein kurzer Blick in den Charakter-Bildschirm erbrachte folgenden Wert: … Ich möchte nicht drüber reden. Man kommt sich vor, wie ein Gehirnchirurg, der nach hunderten OPs feststellt, dass er in Skalpell-Führung eine 4 minus hat. Vielleicht sollte ichs mit der guten alten Kölschen Weisheit halten: Et hat noch immer joot jegange…!

Jedenfalls habe ich stante pede einige Marken eingesetzt, um weitere Teile für meine Defensiv-Ausrüstung zu erstehen. Solchermaßen gerüstet dachte ich, ich sei endlich wieder bereit für ein Abenteuer als Main-Tank. Mit zwei bekannten Mitspielern werfe ich mich also ins zufällige Gruppen- und Dungeons-Karussell. Nur noch fix die Defensiv-Talente aktivieren und, äh… Mist: totales Chaos in der Leiste. Die Hälfte der Fähigkeiten fehlt, keine ordentliche Sortierung und da vorne kommt der erste Mob. Mistmistmist. In der Folge schiebe ich zwischen zwei Mob-Gruppen wild Fähigkeiten hin und her und suche welche aus dem Zauberbuch heraus. Dazwischen haue ich wild auf allen erreichbaren Tasten herum. Dank hervorragendem Heiler und wohldosiertem Magie-Damage klappt es trotzdem ganz gut. Also jedenfalls überleben wir die Boss-Kämpfe und zwar alle.

Lediglich in der letzten Dungeonrunde klappt es nicht mehr so gut. Der dämliche Verschlinger der Seelen macht mich zur Hauptmahlzeit. Das ist nur konsequent, da sterbe ich mit Magierin Nusspil auch grundsätzlich. Erstens kapiere ich einfach nicht, was dieses Maskendings da treibt, bzw. wie ich darauf reagieren soll (lass uns doch reden!).
„Hinter dem Boss stehen“ mault mich irgendwer an. Was mich zu zweitens bringt: ‚Hinter dem Boss‘ wird ganz schnell ‚vor dem Boss‘. Daher habe ich es leider geschafft, als einziger Toter zu enden. Toll, wenn das wenigstens einen Erfolg gäbe: Sterbt als Main Tank und einziges Gruppenmitglied beim Endboss.

WoW-Tagebuch, Teil 81: Bedrohlich…
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