Call of Duty: Advanced Warfare (Bild: Activision)
Call of Duty: Advanced Warfare (Bild: Activision)

Vorweg: ich spiele gerne was mit Story. Und gerne was mit Waffen. Und beides zusammen. Allerdings schätze ich es, wenn ich etwas Zeit für Entscheidungen habe: Wo latsche ich am besten lang, soll ich gleich schießen oder besser schleichen? Und wenn ich schieße, dann klappt das auch besser, wenn ich eine Winzigkeit Zeit zum zielen habe. Es ist also naheliegend, dass ich bei Team-Deathmatch nicht so wahnsinnig gut aufgehoben bin. Ich überlebe 2 Sekunden. Ich werde daher etwas nervös, als sich bei meinem Termin bei Activision rausstellt, hier gibt es keine Präsentation, sondern ein Hands-On. Doch da ist es bereits zu spät für einen diskreten Rückzug.

Ich wollte mir eigentlich Call of Duty: Advanced Warfare einfach erst mal anschauen. Ich habe CoD schon gespielt, aber irgendeinen älteren Teil und den Story-Modus, wo ich in Ruhe alleine vor mich hin sterben kann. Ich sehe mich vor dem geistigen Auge bereits standrechtlich mit dem Controller erschlagen. Mein Glück könnte sein, dass der Zeitplan von Activision in sich zusammen fiel und ich nicht mehr soviel Zeit bis zum nächsten Termin habe. Vielleicht komme ich aus der Nummer früher wieder raus.

Das ich überhaupt hier bin, hat natürlich Gründe. Nicht nur ist Call of Duty einfach eine der erfolgreichsten Shooter-Serien, weshalb es im Grunde zum Wissens-Kanon gehört. Über die Serie spricht man nicht nur in den üblichen Games-Postillen, sondern auch mal im Feuilleton der FAZ. Ich habe ja zuletzt mal kurz erwähnt, dass die Kollegen der Kulturzeit, des täglichen Kulturmagazins in 3sat, eine Videospiel-Extra-Ausgabe planen. Dafür sind wir Pixelmacher unter anderem als Autoren und Info-Lieferanten im Boot.
Jedenfalls tauchte diese Serie in unseren Gesprächen mit den Kollegen immer wieder auf. Als sich die Gelegenheit ergab, mit dem CEO von Activision sprechen zu können, dachten wir: Warum nicht mal mit einem der führenden Köpfe über Spiele im TV sprechen, über den Umgang mit dem Medium, über Innovation und über Shooter.
Und deswegen muss ich mich jetzt hier erschießen lassen.

Und ich bin auch noch die einzige Frau. Ganz toll. Ich fühle mich, als säße ich im Sportstudio-Publikum in der ersten Reihe, so dass ich bei jedem Schuss aufs Publikum zu sehen bin und trüge ein TShirt mit der Aufschrift “Schalke 05”. Der geringstmögliche Frauenanteil betrifft aber interessanterweise eher die Presse, als die Spieler. Bei zwei Standbesuchen sehe ich jeweils etwa ein Drittel Frauen an den Rechnern.

Zurück zum Gefecht: Wir sollen uns Zeit nehmen, unsere Klasse zu erstellen, sagt der Activision-Mann den etwa 8 Kollegen mit mir im Raum. Ja, äh, gut: Hier steht was von “balanced”, das klingt nicht falsch. Nehm’ ich. Kurz darauf befinde ich mich auf dem Schlachtfeld. Kurz darauf bin ich wieder weg. Und wieder. Wo kommen die Gegner auf einmal immer her? Und immer so hinterrücks? Ganz toll auch jedes mal die kurze Videosequenz, in der ich mit der Animation meines eigenen Todes aus der Sicht des Schützen beglückt werde. Zum Glück erfasse ich irgendwann, dass ich sie mit “X” abbrechen kann. Ich versuche ja allenthalben, so tief wie möglich zu stapeln, was meine Fähigkeiten als Spieler angeht. Aber ich wäre natürlich gerne gut. Oder wenigstens im Ranking nicht Letzte, sondern nur Vorletzte. Ich muss hier wenigstens EINEN erschießen. Nehme ich mir fest vor. Vorher lege ich den Controller nicht zur Seite. Ich bringen es dann auf zwei Kills bis zum Ende der Runde. Und dann. ähem, muss ich aber mal ganz dringend zum Anschlusstermin. Ich bin schon viel zu spät!

Am Nachmittag wiederhole ich den Spaß mit zwei Kollegen noch mal am Stand. Ich verlege mich auf eine neue Taktik, weil das rote-Punkte-auf-der-Map-suchen irgendwie nicht zielführend ist. Bei mir jedenfalls nicht. Stattdessen renne ich einfach direkt dem erstbesten Teamkollegen hinterher. Einem von denen, die wirken, als ob sie das so halbwegs raushaben. Die sterben zwar auch recht fix, aber sie gehen wenigstens vor. Und immerhin schaffe ich so mal ein paar Extrapunkte, weil ich einen Gegner erwische, bevor er meinen Vordermann umsensen kann. Ich gebe zu, ich freute mich wie ein Keks. Und es macht tatsächlich Spaß. Es ist halt doch wie Völkerball in der Schule: Man mault, wenn man von den blöden Deppen abgeworfen wird, die Handball spielen und voll draufrohren, freut sich aber, wenn man selbst einen erwischt.

Eigentlich interessiere ich mich ja mehr für die Story von kommenden Advanced Warfare. Die Macher anscheinend nicht so – am Stand ist eigentlich nur Multiplayer präsent. Und streng genommen ist das eben auch das Herz des Ganzen. Am Stand läuft auf einer Riesen-Leinwand immerhin ein aufwendig produzierter Trailer mit Bildern vom Motion Capture und von den Soundaufnahmen. Was natürlich nicht heißen muss, dass die Story schlecht ist. Man gibt sich auch alle Mühe, mit Attributen wie „compelling“ und „new storytelling techniques“ genau diesen Punkt zu betonen. Außerdem erfährt man, dass mit Zukunftsforschern und Militärexperten zusammengearbeitet wurde. Die Story ist jedenfalls modern: Längst mischen schließlich private Millitär-Konzerne in Krisengebieten mit und das ist auch die Basis von den neuen CoD-Teil. Kevin Spacey verkörpert Jonathan Irons, den Boss eines Militärkonzerns. Die etwas dürre Beschreibung vom Publisher besagt, die Handlung setzt im Jahr 2054 ein. Die Atlas Corporation, eine private Militär-Corporation, scheint die einzige Hoffnung, die Menschheit nach einem globalen Angriff auf Militär und Infrastruktur vor dem Kollaps zu bewahren. Die weit in die Zukunft verlegte Handlung bietet natürlich spielerische Möglichkeiten: In diesem Fall ist es das Exoskelett, das Spielern neue Fähigkeiten verschafft, zum Beispiel deutlich höher springen.

Man hat mächtig Aufwand betrieben, Kevin Spacey per Motion Capture in lebensechte Pixel zu verwandeln. Ich habe gerade ihn gerade mit großem Vergnügen als abgebrühten Kongressabgeordneten in House of Cards gesehen, der Intrigen spinnt, vor Mord nicht zurückschreckt und zur Entspannung gerne Egoshooter spielt. Ihn als Schurken-Charakter in Call of Duty zu besetzen ist passend und es ist ein Coup. Ob es mehr als das ist, wird sich zeigen müssen.

Gamescom-Diary, Teil 1: Unter Beschuss

17 Gedanken zu „Gamescom-Diary, Teil 1: Unter Beschuss

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