Das Mitmach-Kunstwerk

Valentina on Apr 15th 2014 02:02 pm

Solltet ihr 3,59 Euro übrig haben, dann investiert sie doch in “Monument Valley”. Das mag für ein kleines iOS-Spiel viel klingen, aber es lohnt sich. Im Grunde ist das Ganze ein Mitmach-Kunstwerk, inspiriert von den unmöglichen Figuren M.C. Eschers. Ihr habt vor euch ein winziges Persönchen auf “unmöglichen” Gebäuden: Mit Treppen und Türmen, Rampen und Säulen. Fast alles lässt sich bewegen, drehen, ziehen oder schieben, um dem Winzling in weiß weitermarschieren zu lassen. Es heißt, ausprobieren!

Screenshot aus Monument Valley vom britischen Studio ustwo

Screenshot aus Monument Valley vom britischen Studio ustwo

Der Winzling erinnert ein bisschen an ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Püppchen und ist eine Prinzessin namens Ida, wie man zwischendurch erfährt. Mit allzu viel Text oder Geschichte wird man nicht versorgt, was erst mal kaum auffällt. Viel zu viel Spaß macht es, herauszufinden, wo es lang geht und vor allem, wie! Ich gestehe, ganz gelegentlich (fast gar nicht!) habe ich mal hier nachgesehen, wie es weitergeht. Man hat keine Gegner, gegen die man gar kämpfen müsste, dafür aber ab und zu schwarze Krähen, an denen man nicht vorbeikommt. Die muss man umgehen, wozu man wieder überall drehen, schieben und drücken muss. Das sieht manchmal vollkommen unmöglich aus und gelegentlich guckt man am richtigen Weg vorbei. Es hat stellenweise ein bisschen was von den aberwitzigen Treppenhäusern im Harry Potter-Internat Hogwarts.

Screenshot aus Monument Valley: Ab und zu gibts einen Schnipsel Geschichte.

Screenshot aus Monument Valley: Ab und zu gibts einen Schnipsel Geschichte.

Monument Valley ist ein kurzes Spiel: Man kann es vermutlich in 3 konzentrierten Stunden durchspielen. Das wäre aber schade, man hat mehr davon, ein Kapitel zu genießen und es dann einen Tag liegenzulassen. Ich finde die Länge völlig ausreichend: Jeder hat die Chance, es durchuspielen. Und es wiederholt sich kaum. Es ist wie mit guten Serien: Die müssen einfach mal zu Ende gehen dürfen, bevor es schal wirkt. Monument Valley ist eine ästhetisch-atmosphärische Herausforderung. Und (Achtung: Pathos!) wunderschön. Lieber 3,59 zahlen und dafür so etwas bekommen, als von In-App-Wegelagerern ausgenommen zu werden.
Wenn man etwas kritisieren möchte, dann, dass die Geschichte ein bisschen hinten runter fällt.

Hier gibts ein paar Stimmen und Eindrücke von den Machern:

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Das deutsche Breaking Bad…

Valentina on Apr 10th 2014 10:04 am

…wird es wohl nicht geben. Jedenfalls nicht, wenn darunter schlicht ein qualitativ hochwertiges, kantiges, innovatives und/oder besonderes Format versteht. Dazu fehlt aus meiner Sicht hierzulande an einigem: Mut, Risikobereitschaft, Geduld. Und so.
Das ist nun nicht so neu und von verschiedener Seite immer wieder angesprochen worden. Und in schöner Regelmäßigkeit monieren Programm-Macher und/oder Kritiker, dass „sowas“ im deutschen Fernsehen eben einfach nicht funktioniert. Ich meine: Könnte es sehr wohl. Aber der Zug ist womöglich schon abgefahren.

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Katharsis im Spiel

Valentina on Mrz 7th 2014 09:17 am

Die Autorin Ulrike Draesner in der 3sat Kulturzeit, antwortete auf die Frage, ob der Roman für die heutige Jugend noch ein Kompass sei:

„Ich glaube das ist ein alter Traum von Autoren. Als Autorin würde ich natürlich sehr gern sagen, ja, wie könnte es anders sein. Aber leider habe ich den Verdacht, dass das eine schöne Illusion wäre. Wenn ich mir ansehe, wie auch selbst ich mich verhalte, ohne das ich zu dieser Jugend gehörte und beobachte, wie das in anderen Generationen noch mal sehr viel stärker ist: Nämlich man bedient und benutzt verschiedenste Kanäle und das heißt auch die Literatur, wenn sie denn überhaupt vorkommt, spielt einfach eine Rolle in einem Segment.
Ich beobachte etwas sehr Interessantes, nämlich die Entwicklung der Computerspiele, die ja einfach technisch so rasant ist, das Momente, die wir als Literaten eigentlich trennen würden, nämlich das was ich in dem Roman habe und das, was ich im Theater erleben kann, also Katharsis, mitgerissen werden, unmittelbare Identifikation – die kommen mehr und mehr in diesen Computerspielen zusammen. Ich spiele mit, die haben oft literarische Vorlagen, da entstehen ganz neue Misch-Genres, die verbrauchen Zeit und übernehmen auch ein stückweit genuine literarischer Kompassfunktionen.”

Der Interview-Ausschnitt ist schon einige Monate alt, er entstammt einem Interview im Vorfeld der letzten Frankfurter Buchmesse. Eine Kollegin wies mich aber darauf hin und ich finde es ganz spannend. Gerade im Zusammenhang mit meinem Blogpost vom Mittwoch, denn diese Dame lebt ganz offensichtlich nicht in einem Vakuum.

Ihr antwortet der bekannte Literatur-Kritiker Denis Scheck, der schon fast rührend den Roman als im Grunde einzig denkbaren Kompass preist. Ich möchte da gerne in die Mitte grätschen: Gelesen wird immer noch, auch “die Jugend” tut das. Das legen die Erfolge der Roman-Serien wie Twilight- und The Hunger Games nahe. Egal, wie man diese beiden literarisch bewertet, ich nenne da einfach mal spontan zwei sehr erfolgreiche. Auch die Zahlen aus dem Trendbericht Kinder- und Jugendbuch 2014 lassen den Schluss zu: Das Roman-Ding läuft jetzt nicht sooo schlecht.
Andererseits hat Frau Draesner durchaus recht, wenn sie sagt, dass sich heute eben viele Medienformen die Aufmerksamkeit teilen.

Also: Lest! Spielt! Guckt! Und denkt selbst :)

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“Wir sind deren Bitches!”

Valentina on Mrz 6th 2014 09:27 am

Wer immer “was mit Medien/Games/Internet” machen möchte und das sind immer noch viele Menschen, sollte sich Simon und Eddy anhören. Es gibt vermutlich wenige Menschen, die wie diese beiden die ganz frühe Entwicklung der Vernetzung von TV & Web und generell Games im Fernsehen miterlebt haben.

In den folgenden 30 Minuten erzählen sie offen und ehrlich von Lust und Frust bei Giga, bei MTV und Gameone. Was heißt es, wenn man letztlich Spielball von strategischen Überlegungen ist, wenn Herzblut für ein Thema vergossen wird, wenn man gleichzeitig Geld verdienen muss, undsoweiterundsofort. Guckt:

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„Ich lebe doch nicht in einem Vakuum!“

Valentina on Mrz 5th 2014 10:29 am

Den Titel dieses Blog-Posts habe ich dem leicht entnervten BBC-Moderator und Filmkritiker Mark Kermode von den Lippen abgeschrieben. Gesagt hat er das über die Wahrnehmung von Videospielen. Das ganze war eine Replik auf eine Zuschauermail, bei dem ein Hörer verwundert anmerkte, das Kermode den Film „I, Frankenstein“ mit „Assasin’s Creed“ verglichen hatte. Und das, obwohl dieser doch gesagt habe, mit Spielen nicht viel am Hut zu haben. Eine kleine Episode am Rande des recht populären Film-Podcasts auf BBC 5 – den ich im Übrigen sehr empfehlen kann. Warum ich sie erzähle? Weil:

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Pixelmacher: Das Finale 2013

Valentina on Dez 9th 2013 06:08 pm

Das Studio der EDV-Schau mit Moderator
In den Archiven des ZDF schlummern viele vergessene Schätze. Im Laufe unserer Recherchen sind wir auf ein besonderes Exemplar gestoßen: Die EDV-Schau.
Ein Versuch des ZDF im Jahr 1989 ein modernes Netz- und Telespielmagazin auf die Beine zu stellen.
Leider ohne Erfolg. Nach Ausstrahlung der Erstsendung wurde ganze sofort beerdigt.
Das Material war teilweise beschädigt, deswegen mussten wir es stellenweise bearbeiten Doch wir haben keine Kosten und Mühen gescheut die Sendung im Look and Feel der Achtziger so originalgetreu wie möglich zu restaurieren – denn sie war ihrer Zeit weit voraus. Einige Rubriken nehmen vorweg, was heute auf Youtube Millionenfach geklickt wird. Die Sendung hatte sogar ein Maskottchen, den damals vermutlich tagelang gerenderten “Ede Pfau”. Man kann deutlich sehen, dass bei der Erstaustrahlung (Wahnwitz: LIVE!), einiges schiefging.

Der Moderator: Ralf Szcyerpszkyskiy
Der ehemalige IBM-Vorarbeiter und professionelle Videopokerspieler begleitet die Zuschauer auf einer Reise durch die Zukunft des Gestern.

Lass uns spielen!
Las uns spielen mit Fabian Let’s Play Kanäle auf Youtube begeistern heute Millionen. Im Jahr 1989 war das noch visionäres Fernsehen, das auf wütendes Unverständnis stieß.

Studiogast: Herr Döhla
Studiogast Fabian Döhla Der erste Auftritt des Sega PR-Managers im deutschen Fernsehen, um einen frühen Prototypen für Sonic auf dem Mega Drive vorzustellen.Trotz Lampenfieber zeigt er sich souverän im Gespräch.

Die Faxfee: Kristina Dobrica
Die Faxfee Kristina Bereits 1989 wurde Interaktivität großgeschrieben. Die Zuschauer hatten die Möglichkeit LIVE(!) per Fax Fragen zu stellen. Das Angebot wurde leider nicht angenommen.

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Remix

Valentina on Nov 25th 2013 10:47 am

Hier mal wieder eine Ankündigung in Sachen Pixelmacher! Wir beschäftigen uns in der aktuellen Ausgabe schwerpunktmäßig mit der Remix-Kultur in Zeiten des Neulands Internets. Egal wie man es nennt, ob Remix oder Mashup: das Neu-Kombinieren von Bildern und Tönen, um daraus etwas völlig Neues zu schaffen, ist zu einer eigenen Kulturform geworden. Das Netz ist der perfekte Ort, um Remixe zu teilen und sich inspirieren lassen. Remixen kann man jedes Thema und jedes Medium. Wir stellen Beispiele und Projekte vor:

• Musik: Wir besuchen den Mashup-DJ Y
• Netzkultur: Auf seinem Tumblr-Blog remixte der Musikjournalist Walter Wacht Donald Duck-Comics mit Texten der Band Tocotronic
• Web: wir fragen Deutsch-Japaner, warum das Remixen von Ideen und Kulturgütern seine Grenzen an unterschiedlichen Kommunikationsverhalten findet

Und für den Bildungsauftrag haben wir Johann Wolfgang von Goethe zu Gast, den wir nach seiner Einstellung zu den vielen Remixen seines Werther fragte… Selbstredend spricht auch unser “Monolog-Gorilla” Herr Kaschke wieder mit und im 120-Sekunden-Review schauen wir uns den Director’s Cut von Deadly Premonition an.

Wir laufen für Frühaufsteher oder Spätinsbettgeher um 1:55 Uhr oder im Laufe des Tages in eurem Internet. Guckstu hier!

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Rakuen heißt Paradies

Valentina on Nov 6th 2013 04:38 pm

Das ursprüngliche Plants vs. Zombies war bzw. ist nicht nur ein solider Vertreter des Tower-Defense-Genres, sondern auch aufgrund seines zeichnerischen Charmes und seines Humors ein unbedingt empfehlenswertes Spiel. Die Musik stammte von Laura Shigihara, California Girl mit japanischen Wurzeln. Die Musik bohrte sich regelrecht in Ohren und Braiiinz! Über den vergeigten Nachfolger möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst sprechen. Nachdem Laura zuletzt 2 Jahre als Audio Director für EA bzw. Popcap arbeitete, ist sie nun wieder im Bereich Indie unterwegs. In einer Email kündigte sie jüngst ein neues Spiel an: Rakuen, japanisch für Paradies.
Das klang vielversprechend und so habe ich vor ein paar Tagen so lange gewartet, bis die Menschen in Kalifornien wach sind, um dann via Skype mit Laura über Musik & Spiel zu sprechen.

Ausgangspunkt war ein Song, den Laura vor einiger Zeit schon schrieb:

Das Story-basierte Adventure dreht sich um einen kleinen Jungen im Krankenhaus. Aus Langeweile beginnt er, sich mit den teils mysteriösen Geschichten und Schicksalen der anderen Patienten zu beschäftigen. Bei der Gameplay-Entwicklung hilft wiederum die Musik, erzählte Laura: “Sometimes I just sit at the piano and kind of play stuff and kind of imaging the story. I think it helps a lot. If I’m stuck creatively on one section than I can sit at the piano and play and get inspired and come up with ideas.

Mehr Musik zum Spiel kann man übrigens hier anhören. Die 22 Tracks sind überwiegend etwas melancholisch, teilweise instrumental, teilweise (wie “Jump”) mit Gesang. Eine Menge mehr Musik aus Videospielen und Tracks aus Plants vs. Zombies gibts in Lauras YT-Chanel.

Inspiriert wird das Spiel von Lauras japanischen Wurzeln, von Studio Ghibli-Filmen wie “Spirited Away” oder Spielen wie „To The Moon”, wofür Laura ebenfalls Musik schrieb. Zum Gameplay erklärt sie, dass es sich ähnlich wie ein Mix zwischen Maniac Mansion, To The Moon und The Legend of Zelda – Link to the Past spiele, nur gänzlich ohne Kämpfe.

Lauras Game „Rakuen” soll Anfang 2014 erscheinen. Zunächst für PC, eventuell dann auch für andere Plattformen. Alles wird gut.

Mehr dazu gibts in der kommenden Pixelmacher-Sendung, die am kommenden Montag den 11. November on air and on web geht.

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Ich hab’ noch Auferstehung…

Valentina on Sep 16th 2013 10:51 am

In MMOs kann man sterben. Was eher nervig als tragisch ist: Zwar nimmt die Ausrüstung Schaden, man vergeudet (Spiel-) Zeit, aber Wiederbeleben geht ja immer. Im echten Leben nicht. Eine banale Weisheit, aus der Jan-Gerrit Seyler und die Hamburg Media School einen berührenden Film gemacht haben.

Diesen (22 Minuten langen) Film könnt ihr in der heutigen Pixelmacher-Ausgabe sehen. Danach folgt ein Gespräch mit den beiden Darstellern und dem Regisseur. Und wenn ihr genauer hinseht, erfahrt ihr nebenbei, welches Online-Spiel da ganz kurz zu sehen ist. Letzteres ist natürlich nicht so wichtig, aber ganz interessant. Mutmaßlich gäbe nicht jeder Hersteller sein Spiel so ohne Weiteres frei.
Im Kern zeigt der Film, welche Freiheit ein Onlinespiel für Menschen bedeuten kann, die sie im wahren Leben nicht haben können.

Unbedingt gucken! Und nicht abschalten, wenn nach etwa 22 Minuten der Abspann kommt – danach gehts direkt weiter mit dem beschriebenen Hintergrund-Bericht :-)

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Pixelmacher auf der Gamescom 2013

Valentina on Aug 27th 2013 02:00 pm

Yoshi-Schlappen

Yoshi-Schlappen

Hier gibts unsere Gamescom-Ausgabe zum ansehen. Und auch wenn es das Bild suggeriert, weder ich noch die Kollegen haben die Füße hochgelegt (nur kurz für den Schuss mit den Yoshi-Schlappen ;-)), wir haben folgende Beiträge recherchiert, gedreht, geschnitten und getextet:

Die Gamescom 2013 verspricht ja eigentlich immer „Mega-Trends – dieses Jahr mit dem Zusatz “2013“. Klarrerweise sind neue Konsolen in da house. Oder jedenfalls an der Schwelle zur Haustür. Die neue Konsolengeneration PlayStation 4, Wii U und Xbox One verheißen uns intensivere Spielerlebnisse. Moment, hatten wir das nicht vor zwei Monaten schon mal? Auf der E3? Wir forderten in unserem Fazit mehr Arthouse, mehr Bandbreite und weibliche Charaktere mit mehr Substanz… also, nicht nur obenrum. Immerhin: Über Storytelling wurde in Köln geredet. Am runden Tisch bei Sony, wo sich unter anderem Sony-CEO Shuhei Yoshida und David Cage zusammensetzten.
Die Gamescom ist im Grunde ein Update der E3. Jegliche relevante Ankündigung wird gemeinhin schon im Juni in L.A. getan. Und überhaupt, lasst uns kurz larmoyant werden: Früher war noch Aufbruchstimmung. Früher wurde dick aufgetragen, heute wird gerne abgesagt. Vielleicht war früher mehr Enthusiasmus. Weil Videospielfirmen von warmherzigen Nerds geleitet wurden und nicht von kalten BWL-Managern, Erbsenzählern oder McKinsey. Der Markt setzte weniger um, aber es funktionierte. Heute ist es ein Milliardengeschäft und Publisher und Studios schließen. Oder werden erst aufgekauft und dann geschlossen.
Na gut, vielleicht ist das übertrieben. Und natürlich gibt es Dinge auf der Gamescom, über die es zu reden lohnt. Über die man reden muss!
Die vielleicht wichtigste Besonderheit der Gamescom: Sie ist kein hehrer, abgeschlossener Fachkongress, kein hermetisch abgeriegelter Fachbesucher-Only-Event. Weil hier auch diejenigen hindürfen, die diesen ganzen Zirkus erst möglich machen: Die Spieler. Somit wird die Gamescom zu einem Festival, wo Gaming als Lebenseinstellung sichtbar wird….

Die einzelnen Themen:

Die Besucher: Videospiele sind in den letzten Jahren offensichtlich zu mehr geworden, als nur zu einem kommerziell erfolgreichen Unterhaltungsmedium. Nämlich fast zu so etwas wie einer Lebenseinstellung oder wenigstens einem Lebensgefühl. Die natürlich ganz unterschiedliche Ausprägungen haben kann. Einige Spieler fühlen sich in einem abgegrenzten Bereich pudelwohl, und begreifen sich als einzig wahre Hüter des Hardcore GamingsFast so, wie Theatergänger sich womöglich als einzig wahre Hüter der Hochkultur begreifen. Was auch immer. Andere betonen eher die Gemeinsamkeiten zu anderen Kulturformen. Wir machten uns auf die Suche nach den unterschiedlichen „Lebenseinstellungen Gaming“ auf der Gamescom: auf dem Zeltplatz, bei den Cosplayern, an den Drehkreuzen und in den Schlangen beim Lieblingsspiel.

Die Indie-Offensive: Indies haben längst einen festen Platz auf den Konsolen erobert: es gibt einen Markt für sie. Kein Wunder, dass Microsoft und Sony Indie-Titel sogar auf ihren Pressekonferenzen zusammen mit Blockbustern ankündigen. Was ist überhaupt Indie, was verstehen die Entwickler selbst darunter und finden sie diese Entwicklung alle gleichermaßen gut? Wir traffen unter anderem die Indie-Devs von „Press Play“ und fragen bei Microsoft und Sony nach, was es mit der Charme-Offensive in Sachen Indie-Games auf den neuen Konsolen auf sich hat.

Die Außenseiter: Auf der Gamescom gibt es unzählige Stände und Themen, die von der Öffentlichkeit praktisch nicht wahrgenommen werden. Darunter Geheimtipps, Randthemen, Außenseiter, Entwickler aus Ländern, die man nicht mal auf der Landkarte finden würde, Belangloses, Absurdes, Schönes. Wir richten die Kamera auf die Außenseiter.

GaymerX: Am 3. und 4. August fand in San Francisco die erste Gaming Convention statt, die sich mit “queer geek culture” befasst. Die Videospiel-Industrie, die sich sonst gerne damit brüstet, erfolgreicher als die Filmindustrie zu sein, hat in Sachen Themen-Bandbreite durchaus Nachholbedarf. In Blockbuster-Spielen gibt es nur gottgleiche Helden und Wespentaillen-Heroinen. Wenn ein Held dann doch mal “düster & gebrochen” sein darf, dann hat er trotzdem noch die elegante Seitwärtsrolle mit gleichzeitigem beidhändigen Schusswechsel drauf. Homosexuelle kommen in diesem Unterhaltungsmedium nicht vor, Minderheiten genauso wenig. Es scheint, als sei im dem Thema Videospiel genauso viel Testosteron drin, wie bei Fußball. Homosexuelle Game-Designer? Schwule & Lesben in Games? Gabs das nicht schon bei den Sims? Themen, über die auf der GaymerX geredet und diskutiert wurde. Dabei redeten Mitarbeiter von genauso offen, wie Indie-Devs. Unser Autor Willie war da.

Außerdem: Das Pixelmacher „120-Sekunden-Review“ und Herr Kaschkes „Planet oft the games“.

Filed in Pixelmacher,Redaktionsgeschichten | Comments (4)

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